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MW Modulator mit Russischen Röhren
#1
Liebe Radiofreunde,

jüngst hatte ich das Glück ein Kontingent 6J2P-EV in der Bucht zu bekommen (eigentlich 6ж2п-EB, aber das  "ж" gibt es ja im lateinischen Alphabet leider nicht). Daneben noch andere Röhren aus Russischer Fertigung insgesamt ca. 80 Stück. Hier ein Bild:


   

Die 6ж2п-EB ist interessant weil sie eine Kopie fer amerikanischen 6AS6 ist. Eine Pentode die für eine Steuerung über G1 und G3 gebaut wurde und demzufolge ideal für den Bau eines Modulators nach dem G2/Anode Differnzprinzip geeignet ist. Da mein Experimentierbord noch aufgebaut war lötete ich schnell eine Schaltung zusammen und war erstaunt wie gut die 6ж2п-EB funktioniert:

   
100% Modulation

   
Über 100% Modulation

Die Schaltung ähnelt sehr stark der EF80 Variante im anderen Thread. Allerdings habe ich als Oszillator und NF Verstärker eine Doppeltriode 6N3P (6H3п) verwendet die auch Teil des Röhrenkontingents war. ich plane mit dieser Schaltung einen kleinen kompakten aber hochwertigen Röhrenmodulator zu bauen der aus nur 2 Röhren besteht und maximal 10dBm liefert. Hier ein Bild des vorläufigen Versuchsaufbaus hinten die kleine 6ж2п-EB, vorn die 6H3п:


   

Den Schaltplan werde ich hier posten wenn das Gerät fertig ist.
Viele Grüße
Semir
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"Alle sagten: Das geht nicht. Dann kam einer der wußte das nicht, und hat es gemacht."
(Prof. Hilbert Meyer, Uni Oldenburg)
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#2
Hallo, Semir,
Du bist unser Modulationsdreieckexperte. Ich beobachte Dein Bericht spannend, auch weil ich die angesprochenen Röhren habe Smile
Viel Erfolg!
Gruß!
Ivan
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#3
Hallo.

Ich bin begeistert, zumal ich viele Jahren mit solchen Röhren gearbeitet habe.
Leider sind die Überreste im Nirvana gelandet.
Sehr schön, dass Du damit so tolle Geräte damit zum Leben erweckst.
Gruß vom Jürgen

Kaum macht man es richtig, schon gehts.
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#4
Hallo Semir,

Auch ich werde deinen Bericht gespannt verfolgen.
Ich bastle ja auch gern mit russischen Röhren.


Viele Grüße,

Axel
Womit fährt der Norweger zur Mittagspause?
...Na mit einem Fjord Siesta!
 Wink
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#5
Na Semir, da schaue ich doch gerne zu!
Viele Grüße aus Loccum, Wolfgang

Wer niemals fragt, bekommt nicht einmal ein Nein zur Antwort.
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#6
Hallo Zusammen,

Es freut mich, dass dieses Projekt einigen Zuspruch bekommt. Die Röhren aus Russland finde ich sehr interessant, da Sie (noch) preisgünstig zu bekommen und qualitativ sehr gut sind (habe vorhin 100x 6N3P bestellt...). Auf die 6J2P bin ich gekommen weil ich eine 6AS6 gesucht habe. Die Messwerte der beiden Röhren sind nicht ganz identisch aber für meine Zwecke ist die Russische Variante sogar besser geeignet. Das werde ich in einem neuen Post noch erläutern.

Zunächst eine erster Schaltplan um die Neugier der Interessenten zu befriedigen. Dies ist noch nicht die finale Variante aber wer möchte kann damit schon eine funktionsfähige Schaltung zusammenbauen:

   

Die Schaltung der modulierenden Pentode ist prinzipiell wie der EF80 Modulator aufgebaut und verwendet die Differenz der Ströme zwischen G2 und Anode um eine 100% Trägerunterdrückung zu erzielen. Einige Werte habe ich angepasst.

Als Oszillator nutze ich eine Hälfte der 6N3P Doppeltriode. Die andere Hälfte verstärkt das NF Signal auf ca. 2Vss um die Pentode am G3 zu modulieren. Die Schaltung ist wie alle meine Modulatoren so ausgelegt, dass sie NF-mäßig mit "Line"-Pegel aus einem PC, RASPI oder MP3 Player versorgt werden kann.

Auch läuft die Schaltung mit einem sehr kleinen 7W Netztrafo den ich bei meinen Streifzügen im Internet gefunden habe. Dieser liefert 200V/15mA und 6,3V 600mA was für derartige Projekte ideal ist. Auch der Preis mit ca. €10 ist recht attraktiv.

Die Schaltung liefert ca. 10dBm also 10mW PEP was für meine Zwecke völlig ausreicht.

Fortsetzung folgt...
Viele Grüße
Semir
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(Prof. Hilbert Meyer, Uni Oldenburg)
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#7
Hallo Semir,

ich sehe, daß Du einen 1580kHz-Quarz mit einem 60pF-Trimmer verbaut hast.
Welchen Frequenzbereich kannst Du damit überstreichen?
Ach ja, leider hast Du keinen (Modulations) Slip auf dem Oszi angezeigt!  Big Grin
Viele Grüße aus Loccum, Wolfgang

Wer niemals fragt, bekommt nicht einmal ein Nein zur Antwort.
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#8
(03.07.2016, 12:26)Opa.Wolle schrieb: Hallo Semir,

ich sehe, daß Du einen 1580kHz-Quarz mit einem 60pF-Trimmer verbaut hast.
Welchen Frequenzbereich kannst Du damit überstreichen?
Ach ja, leider hast Du keinen (Modulations) Slip auf dem Oszi angezeigt!  Big Grin

Hallo Wolfgang,

Das ist ein Keramikresonator. Ich hatte ja bei  Oppermann welche gekauft. Diese Teile haben Exemplarstreuungen von 10% und mehr. Im Moment habe ich einen auf dem steht "1500" in der Schaltung läuft er bei genau 1485kHz was ins 9 kHz Raster passt, mit dem Trimmer kann die Frequenz um rund 3-4 kHz verändert werden um die nächste Rasterfrequenz zu treffen. Bei einem anderen Keramikresonator mit dem gleichen Aufdruck könnte diese z.B. bei 1503kHz oder 1512kHz liegen je nachdem wie die Exemplarstreuung halt ist. 

Ich baue meine Modulatoren meist für eine Festfrequenz. Normale Rundfunksender liegen ja auch immer am gleichen Platz auf der Skala. Für Messzwecke wo ich die Frequenz schnell verändern muss nutze ich den DDS Modulator den ich mit Heinz damals gebaut habe. 

Den Slip findest Du im 1. Beitrag.
Viele Grüße
Semir
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#9
Hallo Zusammen,

nun möchte ich dieses Projekt abschließen. Wie oft habe ich für den Modulator eine Platine entworfen hier ein Bild des fertigen Modulators:

   

   

Das Gerät wird von dem im anderen Thread gezeigten Netzteil gespeist und verbraucht ca. 7W. Die Schaltung läuft mit 160V und bekommt dazu noch eine Hilfsspannung von -9V und natürlich die Heizspannung von ~6,3V von der Netzteilplatine. Hier die finale Schaltung:

   

Ich habe einen Resonator (Oppermann) mit dem Aufdruck "1500" genommen. Der lässt sich sehr gut auf die Rasterfrequenz 1485kHz einstellen. Die Schaltung hatte ich ja eingangs schon beschrieben. Der Abgleich ist im Plan enthalten und gestaltet sich recht einfach. Das einzige "Kopfschmerzteil" könnte der Trafo im Ausgang der 6J2P sein, deshalb habe ich hier eine Anleitung kreiert wie dieser herzustellen ist. Das Bauteil ist wirklich nicht kritisch und mit etwas Geduld und Geschick kann man den abends auf dem Sofa machen...

Also... Ihr benötigt zunächst einen Ringkern FT50-43. Den gibt es bei Reichelt für ca. 90 Cent. Dann schlachtet Ihr am besten einen Ferritkerntrafo aus einem alten Schaltnetzteil der enthält wegen der hohen Frequenzen (Skin Effect) sehr schöne Litzen mit 5-9 Adern, diese wickelt Ihr ab. Diese Litzen sind ideal um den Trafo für unseren Modulator  in einem Durchgang zu wickeln, da alle Adern quasi gleichzeitig gewickelt werden können.

Hier der erste Schritt:

   
Schritt 1. Das Material


Der Trafo benötigt 3 Wicklungen mit jeweils ca. 40-45 Wdg. Die Windungszahl ist nicht kritisch. Am Ende sollte das Ganze so aussehen, dass jeweils am Anfang und am Ende der Wicklung der aufgedröselten Litzen 7 Adern einzeln verfügbar sind.

   
Schritt 2. Nach dem Wickeln

Nun werden die einzelnen Adern so zusammengefasst, dass drei Wicklungen entstehen. In meinem Beispiel hatte die Litze 7 Einzeladern, also habe ich jeweils 3 und 2 und nochmal 2 zu je einer Wicklung zusammenfasst.

   
Schritt 3. Zusammengefasste Adern

Wenn die verwendete Litze eine andere Anzahl Adern hat z.B. 9, so kann das auch z.B. als 3+3+3 zusammengefasst werden. Die Wicklung für den Ausgang sollte wenn eine gleiche Aufteilung nicht möglich ist die meisten Adern haben, Die zwei Wicklungen die mit einer Mittelanzapfung in Serie geschaltet werden sollten gleich sein.

Nun verbindet man den Anfang einer zweiadrigen Wicklung mit dem Ende der anderen zweiadrigen Wicklung damit ist die Wicklung mit Mittelanzapfung entstanden. Diese hat also 2x45=90 Wdg. Die aus drei Adern bestehende Ausgangswicklung hat 45 Wdg. Es handelt sich also um einen 2:1 Übertrager Trafo.

Die gemessene Induktivität jeder Wicklung ist ca. 800µH. Die zwei in Serie geschalteten Wicklungen haben dann ca. 2,5mH von Ende zu Ende gemessen. Das stimmt so, da die Induktivität quadratisch mit der Windungszahl steigt-> Verdoppelung der Windungszahl = 4-fache Induktivität. Das Ganze sieht am Ende so aus:


   
Schritt 4. Das fertige Teil

Das Gerät funktioniert auch mit Amerikanischen 6AS6 anstelle der Russischen 6J2P. Die 6N3P kann jedoch nicht gegen eine ECCxx ausgetauscht werden, da diese die Heizspannung nicht wie sonst üblich an den Pins 4 und 5 bekommt sondern an den Pins 1 und 9. Die Röhre ist aber recht günstig in der Bucht zu bekommen. Ich habe vor ein paar Wochen 100 Stück für 90 Cent das Stück bestellt und auch bekommen. So günstig ist sonst keine Doppeltriode.

Das Eagle Layout kann ich wie immer bei Bedarf mailen -bitte PN.

Ich hoffe ich konnte mit diesem Beitrag Anregungen für eine mögliche sinnvolle Verwendung dieser schönen und günstigen Russischen Röhren geben.
Viele Grüße
Semir
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(Prof. Hilbert Meyer, Uni Oldenburg)
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#10
Verdammt, verdammt, Semir!

Wenn ich nicht schon drei Modulatoren mit Röhren und einen mit dem XR2206 hätte, dann würde ich diesen hier wahnsinnig gerne nachbauen.

Aber was nicht ist, kann ja noch werden, Dein Beitrag läuft ja nicht weg!
Viele Grüße aus Loccum, Wolfgang

Wer niemals fragt, bekommt nicht einmal ein Nein zur Antwort.
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#11
Hallo Zusammen,

hier ein kleiner Nachtrag zu diesem Projekt. Da ich diesen Röhrenmodulator oft einsetzen möchte habe ich diesen nun in ein Gehäuse gebaut. Das verwendete Gehäuse hat innen Führungen in die genau eine Europlatine passt. Da meine Projekte meist auf einer halben Europlatine platz finden bot sich das an. in diesem Fall habe ich die Netzteil- und Modultorplatine höhenversetzt eingebaut. Hinten sitzt die Netzteilplatine (aus meinem anderen hier vorgestellten Projekt) und vorn der Modulatorteil. Die Röhren habe ich aus ästhetischen Gründen oben herausschauen lassen.

Hier ein Bild:

   

Auch dieses Teil werde ich zum Treffen in Pleinfeld mitbringen.
Viele Grüße
Semir
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"Alle sagten: Das geht nicht. Dann kam einer der wußte das nicht, und hat es gemacht."
(Prof. Hilbert Meyer, Uni Oldenburg)
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#12
Hallo, Semir,
Ich habe den Modulator bis auf die Ausgangsinduktivität von 30µH und den Ring - Ferrittrafo zusammengebaut. Habe gerade festgestellt dass ich nur etlichen 10 und 100 µH habe, aber nicht mal eine 33 µH. Unter welche Voraussetzung kann ich die ersetzen?
Gruß!
Ivan
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#13
(11.01.2018, 23:18)navi schrieb: Hallo, Semir,
Ich habe den Modulator bis auf die Ausgangsinduktivität von 30µH und den Ring - Ferrittrafo zusammengebaut. Habe gerade festgestellt dass ich nur etlichen 10 und 100 µH habe, aber nicht mal eine 33 µH. Unter welche Voraussetzung kann ich die ersetzen?

Hallo Ivan,

eine 33µH Drossel kannst Du aus 3 Stück in Serie geschalteten 10µH Drosseln machen. Das ergibt dann 30µH. Schön ist das aber nicht...

Die Werte der Bauteile rund um die Drossel hängen von der Frequenz des Modulators ab. Die 33µH sind für ~1500kHz gedacht. Für andere Frequenzen benötigst Du andere Werte. Wenn Du z.B. 600 kHz verwenden möchtest müssen die Werte höher sein. Die Blindwiderstände der Kondensatoren und der Drossel sollten dann bei 600kHz gleich sein wie bei 1500kHz. Das kannst das so Rechnen:

- Blindwiderstand Drossel= 0,00628*F*L
- Blindwiderstand der Kondensatoren= 159 235 669/(F*C)

Wobei

L=Induktivität der Drossel in µH
C= Kapazität in pF
F= Frequenz in kHz

Ich habe hier absichtlich die Formeln so gestaltet, dass direkt mit pF und µH sowie kHz gerechnet werden kann.

Beispiel 1500kHz:

bei 1500kHz hat eine 33µH Drossel:

0,00628*1500*33=310Ω


bei 1500kHz hat ein 680pF Kondensator:

159235669/(1500*680)= 156Ω



Beispiel 600kHz:

bei 600kHz hat eine 82µH Drossel:

0,00628*600*82=310Ω  Also vergleichbar wie eine 33µH Drossel bei 1500kHz

bei 600kHz hat ein 1700pF Kondensator:

159235669/(600*1700)= 156Ω  Also vergleichbar wie ein 680p Kondensator bei 1500kHz

Das sind nur Beispiele. Die Werte der Bauteile sind nicht kritisch. Die Drossel am Ausgang bildet mit dem Kondensator+Trimmer links und dem Kondensator rechts einen Tiefpass der nicht nur Oberwellen unterdrückt sondern auch die niedrige Impedanz am Ausgang von 50Ω an die wesentlich höheren Ausgangsimpedanz der Röhrenschaltung anpasst.
Viele Grüße
Semir
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(Prof. Hilbert Meyer, Uni Oldenburg)
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#14
Verbaut ist ein 1580 kHz Resonator - Keramik. Ich gehe morgen zu Conrad, aber die sind letzter Zeit sehr dünn bestückt. In Hannover sieht die CE wie ein Butik aus - mehr Verkäufer als Kunden und die Preise genauso. Und ohne Netzteil bin Ich so wie so ....
Trotzdem, Danke sehr, Semir!
Gruß!
Ivan
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#15
Ein Mittelwellensender mit AM,kein Modulator.
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#16
(13.01.2018, 14:56)sepp222 schrieb: Ein Mittelwellensender mit AM,kein Modulator.

Hallo Sepp,

was möchtest Du uns nun mit deinem Beitrag sagen?
Viele Grüße
Semir
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(Prof. Hilbert Meyer, Uni Oldenburg)
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