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Restaurierung und Reparatur eines Metz 206 / 3DW
#1
Hallo werte Radiobastler,

durch einen Freund bin ich an mein erstes Röhren-Restaurationsobjekt gekommen: ein Metz 206 / 3DW von 1954/55 (Schaltung wohl recht identisch zum 205W). Das Radio stand auf dem elterlichen Bauernhof wohl Jahrzehnte einigermaßen trocken in einer Scheune und erweckte schon beim ersten Besuch mein Interesse... irgendwann habe ich es dann doch mitgenommen, bevor es Richtung Sperrmüll wandert Smile
Ich konnte im Netz nicht all zu viel zum 206 / 3DW finden, mir scheint dass es nicht all zu verbreitet war?

Kurz zu mir: ich bin elektrotechnisch durchaus bewandert (mehr so im Bereich der Digitalelektronik und in der Reparatur und Selbstbau von analogen Synthesizern), allerdings sind mir Röhrenschaltungen nicht zuletzt wegen nicht vorhandener Erfahrung und den hohen Spannungen (noch) relativ suspekt... Also habt ein wenig Geduld mit mir Blush Vernünftiges Digitalmultimeter und ein Oszi sowie die Fähigkeit beides zu bedienen, sind vorhanden.

Der Lack des Metz ist durch die weitgehend trockene Lagerung und die offensichtlich gut konservierende Staubschicht relativ gut erhalten. Der eine oder andere Kratzer ist natürlich nach 60 Jahren nicht zu vermeiden, aber die erste Grundreinigung mit einem feuchten Lappen und das anschließende mehrstufige Behandeln mit Autolack-Politur und einem Holzpflegemittel brachte einen ziemlich ansehnliches Gerät hervor (nichts, was sich nicht kaschieren/reparieren ließe). Leider fehlt der Plastiktaster für UKW, dieser lässt sich aber bestimmt auftreiben... Ebenso scheint das Metz-Emblem durch zwei (durchaus dekorative) Nägel ersetzt worden zu sein Sad


.jpg   IMG_0197.JPG (Größe: 135 KB / Downloads: 320)

.jpg   IMG_0202.JPG (Größe: 112,14 KB / Downloads: 319)

Nachdem besagter Freund gemeint hat, dass das Radio spielen würde und nur das magische Auge dunkel bliebe, habe ich mich nach einer Entstaubung und visuellen Inspektion des Chassis getraut es in Betrieb zu nehmen. Empfang ist auf allen Wellenbereichen vorhanden, ebenso funktioniert der TA-Eingang.
Das einzige Problem ist, dass bei etwas mehr als Flüsterlautstärke das Radio zu verzerren beginnt - fast wie ein übersteuerter Eingang eines Audio-Verstärkers. Es verzerren alle drei Lautsprecher gleichermaßen. Dies tritt sowohl bei Radioempfang, als auch bei Wiedergabe über den TA-Eingang auf. Dies lässt mich darauf schließen, dass im Bereich der (Vor-)verstärkung etwas nicht stimmt? Nach meiner bisherhigen Recherche in diesem großartigen Forum scheinen wohl der Ratio-Elko zwischen Vorverstärker- und Endröhre (richtig?) und der Kathodenelko der Endröhre potentielle Kandidaten zu sein? Beobachtung: wenn ich während das Radio verzerrt spielt den Stromstecker ziehe, ist die Verzerrung komplett weg und das Radio spielt normal, bis die Spannung zusammenbricht und es verstummt. Weitere Beobachtung: eine der Skalenbirnen ist defekt, die andere flackert zeitweise, auch ohne Wiedergabe etwas. Das sieht mir aber eher nach Kontaktproblem aus?

An der Kathode der EL41 Endröhre hängt parallel zu einem 170 Ohm Widerstand (R49) ein mit 25µF / 12/15 Volt angegebener Elko (C5) - dies müsste der Kathodenelko sein? Wenn man genau hinsieht, scheint dieser sich schon seiner Elektrolytfüllung zu entledigen...


.jpg   IMG_0204.JPG (Größe: 146,61 KB / Downloads: 318)

Der Ratioelko ist C1 im Schaltplan? (8µF / 350/385V)

   

Generell werde ich bei diesem Radio alle potentiell gefährlichen und problematischen Kondensatoren austauschen, da es nicht nur dekorativ aussehen soll, sondern auch benutzt wird. Bevor ich mir aber durch eine komplette Kondensatorkur weitere Probleme einhandele und mir die Erfahrung mit Röhrengeräten fehlt, wollte ich erst dieses Problem lösen.

Für Tipps für erste Messungen und ein wenig an-die-Hand-nehmen bei der Instandsetzung dieses schönen Stücks Zeitgeschichte wäre ich sehr dankbar.

Einen kompletten Schaltplan gibt es unter https://www.radiomuseum.org/r/metz_2063dw.html oder bei mir.

Herzlichen Dank und einen schönen Sonntag,
MOS
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#2
Moin moin noch Namenloser,
die Kondensator Kur ist eine gute Entscheidung, besonders der C 102 mit heutigem Wert von 47nF/ min 400 V, sowie alle Klein Elkos wie etwa der Kathoden Elko C 5 und C 6, das ist der Ratioelko mit heutigem Wert von 4.7 µF/min 63 V müssen gewechselt werden, wobei letzterer mit + an Masse zu löten ist.
M.f.G.
harry


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- Es ist keine Schande, nichts zu wissen, wohl aber, nichts lernen zu wollen.
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#3
(14.01.2018, 12:10)radioharry schrieb: Moin moin noch Namenloser,
die Kondensator Kur ist eine gute Entscheidung, besonders der C 102 mit heutigem Wert von  47nF/ min 400 V, sowie alle Klein Elkos wie etwa der Kathoden Elko C 5 und C 6, das ist der Ratioelko mit heutigem Wert von 4.7 µF/min 63 V müssen gewechselt werden, wobei letzterer mit + an Masse zu löten ist.

Moin Harry,

vielen Dank für deine schnelle Antwort. Für C102 habe ich leider keinen passenden Ersatz greifbar, für C5 hätte ich einen 22µF / 50V Radialelko und für C6 einen 4,7µF / 100V ebenfalls Radialelko als Ersatz. Sehen nicht schön aus, aber wenn sie funktionieren? Tun es da Wald-und-Wiesen Rubycon Elkos oder muss es etwas besonderes sein? Smile

Für mein Verständnis: C102 mit 47nF ist der Koppelkondensator zwischen Vorverstärker- und Endröhre?

Danke und Grüße,
Daniel / MOS Smile
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#4
Hallo Daniel.

ja, C102 ist der Koppelkondensator, der kann für solche Verzerrungen verantwortlich sein, aber auch der Kathodenelko scheint nicht mehr so ganz gut zu sein, wenn er schon Auswurf hat.

Freundlcihe Grüße,
Arnold
Eine ECC83 und zwei EL84 reichen vollkommen aus für einen gewaltigen Stereo-Röhrenverstärker Smiley34
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#5
(14.01.2018, 12:58)Rhythmus S1264 schrieb: Hallo Daniel.

ja, C102 ist der Koppelkondensator, der kann für solche Verzerrungen verantwortlich sein, aber auch der Kathodenelko scheint nicht mehr so ganz gut zu sein, wenn er schon Auswurf hat.

Freundlcihe Grüße,
Arnold

Hallo Arnold,

herzlichen Dank für die Info! Ich werde auf jedem Fall mal akut C5 und C6 mit meinen vorhandenen Elkos tauschen und in der Bastelkiste (die wegen Umzug in mehreren Umzugskartons ihr Dasein fristet) mal nach einem würdigen Ersatz für C102 kramen.

Danke und Grüße,
Daniel
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#6
Hallo Daniel,

du hast da ein interesantes Gerät: eine EL41 wird durch eine EABC80 versorgt, das UKW Teil durch eine ECC81. Es sieht nach einem Geraät aus der Übergangszeit aus: Etwas später wurden statt ECC81 eine ECC85 , und statt EL41 eine EL84 verwendet.

Eine Kondensatorkur lohnt sich in jedem Fall. Bezugquellen für passende Kondensator findet du im hier im Forum
Viele Grüße

Franz Bernhard

... und die Radios laufen nicht weg!

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#7
(14.01.2018, 13:11)MOS6581 schrieb: herzlichen Dank für die Info! Ich werde auf jedem Fall mal akut C5 und C6 mit meinen vorhandenen Elkos tauschen und in der Bastelkiste (die wegen Umzug in mehreren Umzugskartons ihr Dasein fristet) mal nach einem würdigen Ersatz für C102 kramen.

Denk dran, dass der Ratioelko (C6) mit dem Plusspol an Masse kommt, das ist kein Fehler, sondern liegt daran, dass gegenüber Masse eine negative Spannung anliegt.

Den Kathodenelko (C5) der EL41 betrifft das nicht.

Freundliche Grüße,
Arnold
Eine ECC83 und zwei EL84 reichen vollkommen aus für einen gewaltigen Stereo-Röhrenverstärker Smiley34
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#8
(14.01.2018, 14:12)Rhythmus S1264 schrieb:
(14.01.2018, 13:11)MOS6581 schrieb: herzlichen Dank für die Info! Ich werde auf jedem Fall mal akut C5 und C6 mit meinen vorhandenen Elkos tauschen und in der Bastelkiste (die wegen Umzug in mehreren Umzugskartons ihr Dasein fristet) mal nach einem würdigen Ersatz für C102 kramen.

Denk dran, dass der Ratioelko (C6) mit dem Plusspol an Masse kommt, das ist kein Fehler, sondern liegt daran, dass gegenüber Masse eine negative Spannung anliegt.

Den Kathodenelko (C5) der EL41 betrifft das nicht.

Freundliche Grüße,
Arnold

Das habe ich bereits mehrfach gelesen... ich hätte es wahrscheinlich für einen Fehler im Schaltplan gehalten und mich dann gewundert, wenn's Feuerwerk gibt.. Smile

Ich ersetze die beiden mal und versuche noch etwas für C102 aufzutreiben und berichte dann Smile

Danke derweil,
Daniel
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#9
Daniel, für den C102 kannst du auch 10 - 22 nF nehmen, wichtig nur die Spannungsfestigkeit von min. 400V/DC.
Dei 10nF kann es sein das der unterer NF-Frequenzbereich einige Hz höher hörbar wird, einfach mal probieren.
Vergiss auch nicht, den Klein Elko C1 1-4,7µF/min 350V zu wechseln
M.f.G.
harry


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- Es ist keine Schande, nichts zu wissen, wohl aber, nichts lernen zu wollen.
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#10
(14.01.2018, 16:21)radioharry schrieb: Daniel, für den C102 kannst du auch 10 - 22 nF nehmen, wichtig nur die Spannungsfestigkeit von min. 400V/DC.
Dei 10nF kann es sein das der unterer NF-Frequenzbereich einige Hz höher hörbar wird, einfach mal probieren.
Vergiss auch nicht, den Klein Elko C1 1-4,7µF/min 350V zu wechseln
Hallo Harry,
muss nachher mal schauen, was teiletechnisch noch so vorrätig ist...

Habe übrigens vorher C5 getauscht. Ich bilde mir ein, dass die Wiedergabe lauter geworden ist, verzerrt ist sie allerdings noch immer.
Einen externen Lautsprecher habe ich übrigens probehalber auch angeschlossen... der Klang wird relativ dünn und verliert Bässe, verzerrt aber gleichermaßen.

C6 habe ich eine halbe Stunde vergeblich gesucht. Was mir beim Betrachten des einen Fotos aus dem Radio auffällt: kann es der 4µF Siemens-Halske Elko rechts neben dem C5 (25µF) den ich zuvor getauscht hatte, sein? Einen anderen in der Region um die EABC80 kann ich nicht finden...

Für C1 müsste ich schauen, ob ich da etwas entsprechend spannungsfestes auftreiben kann.


Viele Grüße,
Daniel
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#11
C6 ist der besagte Ratioelko und ist im Plan links von der EABC eingezeichnet und wie bereits geschrieben, der einzige in einem Standardradio, der mit + auf Masse gelötet wird, sein Wert ist nach der Normreihe, nun ein 4,7 µF/min.63 V, ein 10 µF sollte notfalls auch noch gehen.
M.f.G.
harry


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#12
Hallo Daniel,
guck wo der Plus-Pol hinführt, dass kann ich auf deinem Bild nicht mehr sehen.
Unten scheints an der Messbuchse angelötet zu sein, macht ja Sinn um die Ratiospannung zu messen.
An der Plus-Seite sehe ich nen schwarzen Draht und eine Abschirmung aus einem gelben Schlauch, da weiter verfolgen ob eine der Leitungen auf Chassis (Masse) geht.

Ich gehe aber auch so davon aus, dass der Siemens mit 4µF im Bild da oben der Ratioelko ist.

Freundliche Grüße,
Arnold
Eine ECC83 und zwei EL84 reichen vollkommen aus für einen gewaltigen Stereo-Röhrenverstärker Smiley34
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#13
Der wahrscheinlichste Kandidat für Deine Verzerrungen ist für mich der Koppelkondensator - wenn der "undicht" ist, sprich Gleichspannung ans Gitter der EL41 lässt, dann grillt der im Dauerbetrieb die Endröhre. So lange der nicht getauscht oder als unbedenklich geprüft ist (nicht mit irgendeinem Digitaldings, sondern einem Isolationsprüfer bei Nennspannung!) würde ich das Radio nicht betreiben.
Gruß,
Uli
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#14
Moin moin,

ich habe gerade den Koppelkondensator gegen einen 22nF / 1000V getauscht (hatte ich gerade rumliegen). Was soll ich sagen? Bombastischer, verzerrungsfreier Klang Smile

Vielen Dank bis dahin für die Hilfe - bei Gelegenheit werde ich alle Kleinelkos noch tauschen und sehen, was sonst noch auszutauschen ist.

Viele Grüße,
Daniel
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#15
Bitte prüfe die anderen Ero Kondensatoren. Die sind alle -wie Uli so schön sagt- undicht.
Viele Grüße

Franz Bernhard

... und die Radios laufen nicht weg!

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#16
Moin,

miss auch mal die Gleichspannung die der Gleichrichter abgibt. So alte Selengleichrichter gehen manchmal in die Knie, und wenn mans eh schonmal auffem Tisch hat...

Thommi
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