Unbekannte EQs für Autos und die "Wattzahl" (EQ 148 A und divers)

  • Moin ihr Lieben!

    Habe hier wieder die Tage etwas von einem Kollegen auf die Werkbank bekommen. Ein kleiner, schwarzer Kasten mit der Bezeichnung "Votex Booster-Equalizer EQ 148 A", welcher 1:1 so aussieht wie diverse andere, alte Equalizer fürs Auto ala "Hanseatic EQ-770" und wie sie nicht alle heißen. Wer es letztlich hergestellt hat? Keine Ahnung. Wo? Wer weiß. Es gibt im Netz weder zum "Votex" noch zum "Hanseatic EQ_770" irgendwelche Schaltpläne oder dergleichen.

    Das Problem, weshalb die kleine, flache Kiste bei mir gelandet ist, waren am Ende ein paar kratzige Pots und das hat sich auch schon erledigt. Mir ist dann aber aufgefallen, einige wohl vom äußeren Faktoren "baugleiche" Einheiten werden mit 2x50 Watt beworben (je nach Druckfehler auch 50x2 Watt :D ). Mein Kollege meinte, damals wurde ihm 50 Watt pro Kanal mitgeteilt. Dem wollte ich beim kleinen Baufaktor nachgehen ... Eingangsimpedanz ist mit 4-8 Ohm spezifiziert. Habe also meine großen 4 Ohm Lastwiderstände angekettet und mit der Messung losgelegt. Da es keine genauen Angaben gibt, wie und unter welchen Bedingungen getestet wurde, war es bei mir der reguläre 1 kHz Sinus ...

    Da komme ich auf folgende Werte:

    3,70 Vrms an 4 Ohm, bevor mir die Spitzen vom Signal abgeschnitten werden. Auf beide Kanäle nahezu gleichzeitig ... links ein ganz bisschen später im Vergleich zu rechts.

    Rechnung wäre:
    Vrms ^ 2 / R
    3,7 ^ 2 / 4
    = 3,4225 W

    (Stimmt mit meinem Fluke überein, welches auch Watt von allein für Audio berechnen kann, wenn die Eingangsimpedanz 4 Ohm angegeben wurde.)

    Werde ich langsam kirre? Für 50 Watt "pro Kanal" wären doch etwas über 14 Vrms nötig (an 4 Ohm) ... Die rund 3,5 Watt sind nun auch nicht unbedingt "leise", es ist also nicht so, dass das nicht zu hören wäre in einem Fahrzeug. Zumal schon bei dieser "Watt-Zahl" der "Fader"-Poti sich auf 50 Grad erwärmt. Versorgt wurde dieses Ding mit 13,8 Volt (eine Angabe, die bei offenbar baugleichen Modellen zu finden ist). Auf der hier liegenden Einheit ist es mit 11 bis 16 angegeben, was mir durchaus bewusst ist.

    Verbaut sind zwei TA7270P von Toshiba, welche in einer Dual-Audio Konfiguration mit 5,8 und in einer BTL-Konfiguration mit 19 Watt laut Datenblatt angegeben sind. Soweit ich es auf der Platine verfolgen konnte, scheint hier beim mir vorliegenden Gerät die BTL-Konfiguration vorzuliegen, da Verknüpfungen und Bauteile wie im Datenblatt an passenden Stellen zu finden sind. Sprich, der unbekannte Hersteller vom EQ sich nahezu an die Beispiele vom offiziellen Datenblatt gehalten hat.

    Das Kabelmeer in den Bildern übrigens getrost ausblenden. Ach und ich selbst fahre kein Auto, habe kein Auto ... nur als Randinfo.


    Liebe Grüße wünscht
    Kevka.

    "Irgendwann sind wir so sehr in Zahlen vertieft, dass das Ungeheuer unerledigter Reparaturen uns auffressen wird. 2000 Counts hätten den Job in der Hobbywerkstatt auch erledigt, oder?"

    Edited once, last by KevkaBluebird (April 13, 2024 at 11:40 AM).

  • Hallo,

    ich hatte sowas auch jahrelang im Einsatz, nach 1990 im Wartburg...
    Ob 50 Watt kann ich nicht sagen, der von mir sah ähnlich, jedoch etwas hochwertiger aus und ist meiner Erinnerung nach mit 4x TDA 2005 bestückt... schau ich viell nochmal, wenn ich das Ding wiederfind.
    Auf jeden Fall kann man die TDA2005 in Brückenschaltung betreiben und damit wurde das schon etwas kräftiger als mit dem Original-Autoradio-Ausgang seinerzeit.

    Zu heute kein Vergleich und direkt nach der Wende durfte das alles nicht viel kosten... aber mit dem Booster und rel. guten Lautsprechern (KENWOOD 12 Zoll mit integrierten Hochtönern in die Heckablage intergriert (gute Lösung... im Warti^^) hat da schon die Heide gewackelt mit Pink Floyd und Marillion...

    Die Leistungsangaben waren natürlich stets nach oben aufgerundet...

    Gruß Ingo

  • Dann passt eure Beobachtung mit der Realität und meiner Feststellung wunderbar zusammen.

    Wie erwähnt ... ein Test zwischendurch auch an einem "Testfahrzeug" war nun nicht so, dass das irgendwie "zu leise" wäre. Es dröhnt schon ganz gut, aber die Angaben sind halt ... naja.

    Doch wunderbar, danke für eure Rückmeldung. Ich dachte nur, ich werde langsam irre und mache etwas grundlegend falsch. Ich hatte schon angefangen einen anderen Verstärker im Hausgebrauch auszugraben, dort die gleiche Messung durchzuführen und der erreicht die 100 Watt, die angegeben wurden, locker ... da musste schon bei meiner Testplatte für die Lastwiderstände auch Lüfter zum Einsatz kommen. War aber auch nur ein kurzer "Sanity-Check" wie es im englischen Sprachraum heißt.

    Hochwertig kommt mir der Kasten jedenfalls nicht vor ... ich sollte vielleicht für Dokumentationszwecke noch Bilder aus der Innenansicht nachreichen. Die Kondensatoren sind zwar alle scheinbar "in Ordnung" aber da kommen Namen / Hersteller vor, die total generisch klingen. Wie eine Art "Wortbingo". Trotz symmetrischen Aufbaus auch überall verschiedene verkleistert, vermutlich je nachdem was greifbar war.


    Danke euch!

    "Irgendwann sind wir so sehr in Zahlen vertieft, dass das Ungeheuer unerledigter Reparaturen uns auffressen wird. 2000 Counts hätten den Job in der Hobbywerkstatt auch erledigt, oder?"

    Edited once, last by KevkaBluebird (April 13, 2024 at 12:38 PM).

  • > 3,70 Vrms an 4 Ohm

    Liegt an 4 Ω tatsächlich nur 3,7 V, oder hast du die Spannung gegen Masse gemessen?

    Oft haben diese Verstärker je Kanal 2 Endstufen und die beiden Lautsprecheranschlüsse werden gegenphasig getrieben. Das ergibt die doppelte Spannung zwischen den beiden Adern, also die vierfache Leistung im Lautsprecher (Brückenschaltung, wie Ingo schon angemerkt hat).

    Dabei spart der Hersteller die Ausgangs-Elkos. In Ruhe liegt dann an beiden Lautsprecheranschlüssen die halbe Betriebsspannung.

    Und zum Messen der Ausgangsleitung wird üblicherweise 14,4 V als Betriebsspannung angelegt, bei manchen vielleicht noch mehr.

    Außerdem wird meistens bei 10 % Klirrfaktor gemessen, das ist schon fast rechteckig.

    Bernhard

  • Ich kann tatsächlich nicht ausschließen, an dieser Art Schaltung/Betreibung verkehrt vorzugehen. Diese Autogerätschaften sind mir noch eher unbekannter Natur. Insbesondere da ich je 2x2 Eingänge habe (Links/Rechts) und nochmal extra "Audio-Masse".


    Mir liegen an der Kiste folgende Anschlüsse vor:

    Mein Signal ging jeweils zwischen "Schwarz Audio Masse" als Masse und Linker Kanal Grün-Strich sowie Rechter Kanal Grau-Strich rein. Schließe ich mein Signal an Grün-Strich / Grün und Grau-Strich / Grau an ohne "Audio-Masse" (Schwarz-Strich) zu nutzen, kommt nur Quatsch am anderen Ende an. Oder sagen wir eher so: Wenn ich dann "nur LINKS" ein Signal einpflege, kommt LINKS am Ausgang auch etwas an. Alsbald aber RECHTS das gleiche Signal unter identischen Parametern eingepflegt wird, wird es Murks. Auch gibt es dann keine Kanaltrennung.

    Anders wenn Grün-Strich (Linker Eingang) und Grau-Strich (Rechter Eingang) mit Audio-Masse (Schwarz) genutzt wird. Dann kommt jeweils links und rechts ein sauberes Signal an bzw. kann links und rechts auch unterschiedlich ausfallen, ohne dass das Murks wird. Kurz: Nur so ist es "Stereo".


    Ich habe hier mal versucht darzustellen, wie meine "Anschlussbelegegung" am Eingangsbereich aussieht. Gleiche Farben sind quasi eine durchgehende Verbindung. Ohne Signal am Eingang liegt, egal in welcher Konstellation ich messe, 0 V am Ausgang an.

    "Irgendwann sind wir so sehr in Zahlen vertieft, dass das Ungeheuer unerledigter Reparaturen uns auffressen wird. 2000 Counts hätten den Job in der Hobbywerkstatt auch erledigt, oder?"

    Edited once, last by KevkaBluebird (April 13, 2024 at 3:28 PM).

  • Hallo, Kev,

    ich habe mich in der Zeit, wo meine Kumpels und ich nach und nach das erste Auto hatten, und ich auch in unserer Autowerkstatt am Ort stets der war, der Autoradios und andere Auto-Audiogeräte repariert hat ( im Gegenzug bekam ich Reparaturen an meinem Auto umsonst ), auch häufig mit solchen Verstärkern beschäftigt.

    Die Dinger waren damals groß in Mode, und ich selbst hatte auch so etwas.

    Häufige Ausfallursache war, daß die Lautsprecher nicht richtig angeschlossen waren ( Die Hecklautsprecher waren üblicherweise einseitig an Masse angeschlossen, und nur 2 Adern kamen serienmäßig zu den beiden Lautsprecherausgängen des serienmäßigen autoradios. Dann haben die KFZ Mechaniker irgendwie solche Verstärker dazwischengefrickelt. Da gab es dann Gleichstrom durch die Lautsprecher und dann ist irgendwas kaputtgegangen.

    Zurück zur Bauart der Verstärker. Üblicherweise in Brückenschaltung, wobei eine Seite der Brücke Z.B. an vorn Links minus und hinten links minus direkt ging, die andere Seite an den (passiven) Fader, und von da an Links Plus vorne bzw. hinten.

    Die Fader haben richtig Leistung verbraten. Wer nur 2 Lautsprecher hatte, hat den Fader einfach überbrückt, und dann kam da auch gut Leistung raus.

    Für einen Kumpel habe ich einmal einen solchen Verstärker in Brückenschaltung mit Transistoren gebaut. Dabei liefen die vorderen Lautsprecher direkt vom Autoradio, und die größeren hinteren Lautsprecher über den Verstärker dann mit deutlich mehr Leistung. Das Ding hat jahrelang treue Dienste geleistet. Die Endstufe war mit BD243/BD244 bestückt, BD135 o.ä. als Treiber.

    VG Henning

    Schlau ist, wer weiß, wo er nachlesen kann, was er nicht weiß.
    Nur Messungen liefern Fakten, alles andere ist Kaffeesatz.

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