Der Exciter - ein nützliches Hilfsmittel zur Ausmessung von Schwingkreisen

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    Der "Exciter" oder "Schwingungsanfacher"
    Bei der Reparatur von Radiogeräten (eigentlich auch von TV-Geräten) gibt es Situationen, bei denen man den Verdacht hat, dass ein Schwingkreis nicht mehr auf die richtige Frequenz abgeglichen ist. Das kann z.B. dadurch eintreten, dass ein Schwingkreiskondensator seinen Wert verändert hat, dass eine Spule auf einem Ferritstab verschoben ist oder beschädigt wurde, oder dass sich ein Spulenkern aus seiner Halterung gelöst hat und irgendwo in der Spule steckt, wie z.B. die Ferritstifte in den berüchtigten PHILIPS Mikrobandfiltern die mit einer winzigen Plastikhülse an der Messing-Verstellschraube hängen.

    Es gibt also viele Situationen, in denen man ganz gerne wüsste, ob ein Vorkreis, Oszillatorkreis oder ZF-Filter intakt ist. Nun möchte man ja nicht immer den Schwingkreis zerlegen, um nachzuschauen, ob noch alles i.O. ist. Da ist es nett, wenn man ein Hilfsmittel an der Hand hat, mit dem man, ohne irgendetwas auszubauen, die Anschlüsse des Schwingkreises berührt und auf einem Frequenzmesser direkt die Schwingfrequenz ablesen kann. Hier kommt der EXCITER zum Einsatz.


    Erst jetzt lese ich von dem spannenden Eigenbau für die Messungen an Schwingkreisen, Filtern u. ä.
    Noch mehr gefällt mir dann noch die Frequenzmessung.
    Sie ermöglicht schon eine klare Diagnose.
    Wir haben uns früher mit einem Grid Dipper helfen können, zwar nur passiv.
    Lieferte dennoch wertvolle Hinweise bei der Fehlersuche über den Zustand der "LC´s" :)

  • Hallo Frank, hallo Daniel,

    ja, der EXCITER ist in der Tat ein sehr nützliches Hilfsmittel, aber bei seiner Benutzung muss man eben schon einige wesentliche Punkte beachten. Siehe dazu auch diesen Beitrag in RM.org.

    (1) Man muss darauf achten, dass das Potentiometer im gemeinsamen Emitterzweig immer so eingestellt wird, dass der EXCITER kurz oberhalb des Schwingungseinsatzes betrieben wird. Verkleinert man den Wert des Potentiometers, so steigt zwar die Schwingungsamplitude an, man kommt aber irgendwann an den Punkt, an dem die Basis-Kollektordioden der beiden Transistoren durchschalten und die Amplitude der Schwingung abschneiden. Das führt, wie Jochen Bauer im RM.org erläutert hat, zu so-genannten Relaxationsschwingen, die wiederum eine Veringerung der Schwingungsfrequenz zur Folge haben. Der EXCITER zeigt dann eine zu niedrige Frequenz an.

    (ii) Verwendet man den EXCITER zur Bestimmung der Resonanzfrequenz von Bandfiltern, so kann es - abhängig vom Kopplungsfaktor der beiden Schwingkreise - dazu kommen, dass man keine eindeutige Frequenz misst: die angezeigte Frequenz springt zwischen zwei Werten hin und her, die den Höckerfrequenzen des Bandfilters entsprechen. Es handelt sich um das Phänomen des so-genannten Frequenzreissens. Auch über diese Thematik gibt es in RM.org Beitrage von Dietmar Rudolph, Hans M. Knoll und Jochen Bauer.

    Alles nicht so einfach. Trotzdem arbeite ich gern mit dem EXCITER - man muss halt aufpassen was man tut.

    Frank hat natürlich Recht wenn er sagt, dass eine Rahmenantenne mit Parallelkondensator einen Parallelschwingkreis repräsentiert, den man ebenfalls mit dem EXCITER erregen, und somit feststellen kann, welchen Frequenzbereich man mit dem verwendeten Drehkondensator überdecken kann. Über diese Anwendung hatte ich noch garnicht nachgedacht. Gut, Frank!

    Grüsse aus Karlsruhe,
    Harald

    Edited once, last by radioljub01 (July 11, 2016 at 3:35 PM).

  • Vorab: erstmal ein "Hallo" hier an der Stelle, da ich den Vorstellungsthreat nicht gefunden habe.
    Vorwarnung: ..... Es ist übrignes meine "Spezialität" manchmal Tomaten auf den Augen zu haben" :)
    Ich bin Autodidakt und nur unregelmäßig am Radiobasteln.... das dafür aber konsequent.
    Mein erstes Radio hab ich als Schüler zusammengeschustert, damit ich bei den Hausaufgamen Musik hören konnte (... so alt bin ich also ) und so ist es halt immer weiter gegangen. Ich hab mitterweile 12 alte Röhrenradios, auch vor 45, wieder "gerichtet" (Restauriertr ist ein großes Wort) und iunteressiere mich jetzt aus Platzmangel eher für die frühen Transistorradios (auch da hab ich schon einigen)
    Aktuell hab ich einen Abgleichsender Grundig AS2 ergattert und die Sache mit dem Frequenzzähler gehört hier dazu.
    Nach all den Jahren will ich mich nämlich erstmals an einen Abgleich herantasten.
    ..... vorerst nur mit Messen und Kapieren ..... aber dabei wird es nicht bleiben.

    ... so, here i am :)

    ..............................................................

    Ich habs mit dem chinesischen Frequenzzähler auch probiert.
    Sowohl mit einer Spule (Danke Wolfgangs Hilfe !!!) als auch direkt an die künstliche Antenne angeschlossen.
    Funktionniert einwandfrei :)

    LG
    Bernd

    An manchen Tagen geht alles schief, aber dafür klappt an anderen gar nichts.

    Edited once, last by Richard (May 3, 2020 at 11:39 PM).

  • Hi Bernd, das geht ja prima!

    Du kannst mit den Tasten auf der Rückseite die angezeigten Zahlen um eine Stelle verringern, dann flackert er nicht so.
    Weiterhin kannst Du mit der anderen Taste die Helligkeit ändern und Zwischenfrequenzen addieren oder auch subtrahieren.

    Viele Grüße aus Loccum, Wolfgang

    Wer niemals fragt, bekommt nicht einmal ein Nein zur Antwort.

    In Memorandum 2018

  • Hallo zusammen,
    ich habe mir jetzt auch einen Exciter zusammengebraten. Bis 10,6 MHz funktioniert er auch im Plastikgehäuse mit recht schöner Sinuskurve. In Zusammenarbeit mir einem China-Frequenzzähler, kann man auch gut Einkreiser auf Funktion prüfen, z.B. VE301. Einfach parallel zum Drehko, kann man die Wellenbereiche durchfahren und gleichzeitig Schwingkreisspule und die Funktion des Kanalumschalters testen. Ein Super Gerät mit minimalem Aufwand und Platzbedarf. Leider passte die 1,5V Zelle nicht mehr in denFrequenzzähler, sonst hätte ich ihn dort eingebaut.


    Gruß
    Alex

    M(Ende) gut - alles gut! :)

  • Hallo, Zusammen,
    Das Thema ist schon einige Tagen alt, ich finde sie aber immer interessant. Ich erinnere mich, dass ich in Hannover den nachgebaut. Leider habe ihn verworfen - ich dachte, ich habe ein Fehler gebaut. Dann habe ich weitere Schaltungen aus dem Netz probiert. Alles ohne Erfolg. Später hat sich herausgefunden dass der Frequenzzähler - Bausatz mit dem ich damals gemessen habe, schlicht nicht empfindlich genug war.
    Heute habe ich meine Hannoversche Kisten sortiert und sieh da - eine der Versuchspatinen von damals. Einfach mal eingeschaltet und die Schaltung funktioniert.

    Das ist der erste Filter und unten der zweite.

    Man sieht 10 kHz unterschied. Und die ZF sollte 468 kHz sein. Sehr wahrscheinlich liegt es auch an die langen Strippen und den “großzügigen“ Aufbau. Aber das Gerät hat Potenzial und ich werde ihn kompakter wieder aufbauen und nutzen.
    Hier zwei weiteren Bilder - einmal die Platine und einmal die verwendete Schaltung.

    .

  • Hallo,

    T1 und T2 sind BF245B (selbstleitender Feldeffekttransistor), T3 ist BF199 (bipolarer HF-Transistor).

    Gruß, Frank

    Keiner von uns kommt lebend hier raus. Also spart nicht alles für später auf. Eßt leckeres Essen. Spaziert in der Sonne. Springt ins Meer. Sagt die Wahrheit und tragt euer Herz auf der Zunge. Seid albern. Seid freundlich. Seid komisch. Bastelt mit Radios. Für nichts anderes ist Zeit.

  • Hallo Ivan,

    da kommt der EXITER ja nach all den Jahren doch noch zur Anwendung. Die Schaltung mit FETs kannte ich auch noch nicht. Woher hast Du die?

    Seelenklempner: Die Transistoren T1 und T2 bilden einen rückgekoppelten Differenzverstärker, dessen Schwingungsfrequenz durch das Messobjekt bestehend aus L1 und C1 bestimmt wird.

    Die Auskopplung des hochfrequenten Signals erfolgt rückwirkungsarm über C2 = 820 pF auf die Basis des Emitterfolgers T3. Der Eingangangswiderstand des Emitterfolgers ist hochohmig, der Ausgangswiderstand niederohmig. Die Schaltung bietet sich also an, um einerseits rückwirkungsarm auszukoppeln und andererseits ein Koaxkabel mit niedriger Quellimpedanz zu treiben. Der hierfür verwendete Transistor sollte (1.) eine hohe Transistfrequenz aufweisen (beim BF199: fT=1,1GHz), damit man auch hohe Frequenzen verlustfrei auskoppelt und (2.) eine hohe Stromverstärkung, um den Ausgangswiderstand niedrig zu halten, und so eine bessere Impedanz-Anpassung an das Koaxkabel zu erreichen.

    Grüsse aus Karlsruhe,
    Harald

    Edited once, last by radioljub01 (May 3, 2020 at 10:55 PM).

  • Hallo,

    ... interessanter Beitrag !

    Beim BF199 und ähnlichen Transistoren sollte man in die Kollektorleitung eine kleine Drossel einbauen (kleine Ferritperle oder Kerndrossel mit 1...2 Windungen), sonst hat man schnell nebenher einen UHF-Ozillator.

    Gruß Ingo

  • da kommt der EXITER ja nach all den Jahren doch noch zur Anwendung. Die Schaltung mit FETs kannte ich auch noch nicht. Woher hast Du die?

    Hallo, Harald,
    Ich bin in diesem Gerät noch seit 2016 verliebt. Es ist schlicht ein sehr nützliches Gerät. Ich erinnere mich, dass ich 2017 nach alternativen Lösungen gesucht habe und u.a. diese Schaltung gefunden. Woher weiß ich leider nicht mehr - in meinen Unterlagen muss ich noch suchen.

  • Hallo Ivan,


    Quote


    Man sieht 10 kHz unterschied. Und die ZF sollte 468 kHz sein. Sehr wahrscheinlich liegt es auch an die langen Strippen und den “großzügigen“ Aufbau.


    es kann auch zusätzlich an der Dimensionierung liegen. Vergrößere mal den gemeinsamen Source-Widerstand auf mindestens 1 kOhm; 3,3 kOhm sind auch ok. Durch die höhere Source-Gate-Spannung verringert sich die Gate-Kapazität etwas, die parallel zum Schwingkreis liegt.

    Gruß, Frank

    Keiner von uns kommt lebend hier raus. Also spart nicht alles für später auf. Eßt leckeres Essen. Spaziert in der Sonne. Springt ins Meer. Sagt die Wahrheit und tragt euer Herz auf der Zunge. Seid albern. Seid freundlich. Seid komisch. Bastelt mit Radios. Für nichts anderes ist Zeit.

  • Hallo,

    diese sowie die mit Transistoren ist nur geeignet um die ungefähre Frequenz zuermitteln. Die Kopplung ist viel zu stark, wie Frank schon schrieb, läßt die sich mit dem Widerstand verändern. Besser wäre da ein Poti mit dem man das ganze so einstellt, daß es gerade anschwingt.

    Aber trotzdem bleiben Differenzen, denn die Schaltungskapazitäten sind halt immer von der Schaltung abhängig.
    Also sind die 10kHz Abweichung völlig normal für diesen Schaltungsaufbau.
    Für einen Vorabgleich eines Filters reicht das allemal.

    Viele Grüße
    Bernd

  • Hallo, Frank,
    das werde ich probieren. Auch Bernd, mit der Anregung eines Poti oder halt Trimmer einzubauen und mit paar vorher geprüfte Schwingkreise abstimmen - klar wird das Gerätchen nie einen Spektrumanlysator ersetzen können, aber für den Hobbyraum reicht vorerst aus. Danke für die Tips!

  • [2] Hegewald, W.: Und wo schwing das Ganze? LC-Generator als Zählerzusatz. In: Funkamateur. Heft 7/1988. S. 345f.

    Die Schaltung habe ich damals gebaut und lebt noch heute.

    Das geht halt schneller, als mit dem Dipper , besonders bei unbekannten Induktivitäten.
    Gut man könnte die Induktivität messen und dann rechnen, aber das strengt das Gehirn zu stark an :-)) Damals mußte man die Meßgeräte ja fast alle selbst bauen und ein LC-Meter zu bauen war wegen fehlender Kalibriermöglichkeit nicht ganz einfach.
    Einen einfachen Zähler zu bauen war da einfacher und auch noch universeller einzusetzen.

    Viele Grüße
    Bernd

  • Hallo Kollegen,

    ja, ich finde nach wie vor, dass das ein recht praktisches Hilfsmittel ist - auch wenn man bei Bandfiltern je nach Kopplungsgrad etwas überaschende Ergebnisse erhalten kann, wie Dietmar (DiRu) und ich hier beschrieben hatten:

    https://www.radiomuseum.org/forum/aufbau_u…_zf_filter.html

    Der Funkschauartikel, der mich ursprünglich auf den Exciter gebracht hatte, war dieser:

    Bei Anklicken erscheinen die Seiten in voller Auflösung und sind recht gut lesbar.

    Grüsse aus Karlsruhe,
    Harald

  • Eigentlich ist schon alles gesagt, über den tollen EXCITER.....

    Gestern Abend habe ich den mal an meine Mini-Rahmenantenne angeschlossen. Das Ausgangssignal führt zum Oszilloskop und dessen „Vertical-Out“ geht dann zum Frequenzzähler.

    Beim Durchdrehen ist mir folgendes aufgefallen:
    Die starken MW-Sender: Ungarn 540kHz, England auf 693kHz, 906kHz, 1053kHz, 1215kHz und1458kHz, sowie nochmal Ungarn auf 1188kHz, all diese Stationen synchronisieren die EXCITER Frequenz!

    Das muss natürlich sehr feinfühlig eingestellt werden, aber damit ist eine starre Frequenzrelation vorhanden. Am Zähler kann man jetzt die genaue Frequenz ablesen. Bei mir zeigt der immer 4 Hz zu viel an, was mit der ungeeichten Torzeit des Zählers begründet ist.
    Anders ausgedrückt, man könnte den internen Quartz auf Null nachziehen. Ausgehend davon, dass die genannten Sender nur ganz geringe (weit unter 1 Hz) absolute Frequenzabweichungen haben.

    So nebenbei: Mein EXCITER hat sogar noch einen Einschaltkontrolle, damit ich nicht vergesse, den wieder auszuschalten.
    War nicht leicht aus meinen 50 LEDs die zu finden, welche ohne Vorwiderstand bei 1,5V noch ein bisschen Licht geben....

    Gruß, Wolfgang

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