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Schneider Frères Rondo - Internetradio
#1
hier mal ein Umbau mit einer ganz anderen software. Sie wurde von einem Amerikaner entwickelt und ist recht vielseitig. Neben den üblichen LCD-Displays werden auch grafische Bildschirme unter X11 angesprochen. Dazu hat Bob eine schöne Retro-Oberfläche konstruiert, die mich bewogen hat, doch mal ein Radio damit zu bauen. Für Grundlagen, Installation und Konfiguration hatte Bob ein mehr als 250 seitiges Handbuch geschrieben. Das ist aber mehr der Vielseitigkeit geschuldet. Die eigentlichen Installationsschritte sind nur wenige und man hat sie schnell durch, wenn man sich für ein Konzept entschieden hat. Ich wählte einen 7"-Touchscreen, eine Encoder-Abstimmung und als Audioaugabe den Alsaport des Raspberry. Als Oberfläche die bereits erwähnte Vintage-Grafik. Vor 2 Tagen erhielt ich zum Preis von 45€ über ebay den Bildschirm:

   

   

für die ersten Versuche setzte ich einen Raspi 3B+ ein. Er startete recht flott und die Visualisierung der Skala lief flüssig. In das Radio baute ich danach einen 2B. Es zeigte sich das dieser der Aufgabe nicht gut gewachsen ist. Die grafische Ausgabe ist deutlich langsamer und ruckelig, so das ich ihn wieder austauschen werde.

Die Vintage-Oberfläche hat mich dann doch begeistert:

   

Ein ideales Opferradio fand ich in meinem Lager in Form eines übel zugerichteten Schneider Rondo. Die Skalenscheibe war verblättert und das Gehäuse sowie der Frontrahmen gebrochen.

   

Die seitlichen Symbole auf der Scheibe waren noch okay, und ich kratzte mit dem Fingernagel dann nur das Skalenfeld ab. Die Bruchteile wurden verklebt und die Risse mit Glasfibermatten und Expoydharz von innen stabilisiert.

Das Chassis entledigte ich seinem HF-Teil indem ich Drehko und HF-Bloc entfernte, sowie die AM- und ZF-Röhren.

   

   

Netzteil und NF-Teil wurden revidiert. Neben den Elkos und Kondensatoren mussten auch die meisten Widerstände erneuert werden. Sie waren z.T. gravierend hochohmig. Seit ich alle Bauteile mit dem China-Tester prüfe hab ich festgestellt das auch die meisten Widerstände aus meinem langjährigen Bestand trotz NOS nichts mehr taugen, und das artet dann in einer Mess- und Selektionsorgie aus:

   

Den Skalenhintergrund bearbeitete ich mit dem Dremel um das Display einzupassen. Danach wurde er neu lackiert und geklarlackt.

   

das vorbereitete Chassis mit den verbliebenen Bauteilen:

   

   

wo früher die Achse des Bloc rausgeschaut hat steckt jetzt über eine gedruckte Reduzierscheibe der Encoder, mit einer kleinen Achsverlängerung versehen.

   

das Display passt optimal

   

   

hier startet X11:

   

und dann die Vintage-Grafik:

   

die Gehäuseteile werden original von Klammern gehalten. Diese hatten aber keinen Halt mehr. So druckte ich kleine rote Hütchen und klebte diese mit Sekundenkleber fest.

   

die Rückansicht (das Radio ist immer noch im Labor-Zustand)

   

kleines Detail. Die Oberfläche ist sehr informativ:

   

die Optik macht schon einen guten Eindruck. Der Rahmen ist neu goldfarben lackiert.

   
Gruß,
Jupp
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wenn man nur den Hammer kennt, sieht jedes Problem aus wie ein Nagel
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#2
auf dem Video sieht man schön wie die Senderwahl in der ersten Minute mit dem 3B+ flüssig reagiert. Im weiteren Verlauf hatte ich dann einen 2B eingesetzt.



Zur Software:

dies ist der link zum Handbuch

Raspberry PI Radio.pdf

die website von Bob Rathbone:

Raspberry Pi Internet Radio

für ein grafisches Radio wird "Raspbian Stretch with desktop and recommended software" als Kartenimage ausgewählt.

Das 7" Touchdisplay benötigt einige Einstellungen in der config.txt:

Zitat:max_usb_current=1
hdmi_force_hotplug=1
config_hdmi_boost=7
hdmi_group=2
hdmi_mode=1
hdmi_mode=87
hdmi_drive=1
display_rotate=0
hdmi_cvt 1024 600 60 6 0 0 0

das muss man vor dem ersten Start noch am Windows-PC eintragen, sonst meldet das Display "No Signal". Ebenso kann man gleich eine wpa_supplicant.conf mit den WLAN-Zugangsdaten auf die Karte kopieren und eine leere Textdatei mit dem Namen SSH anlegen. Diesmal kommt man aber trotzdem nicht drumrum eine Maus und Tastatur an den Rasperry anzuschliessen. Raspbian besteht nämlich darauf erst das Zugangskennwort zu ändern. Auch läuft es beim ersten Start in die Konfiguration von X11, wo ein paar Dinge abgefragt werden.

Danach kann mit SSH weitergearbeitet werden. Die nachfolgenden Anweisungen können dann mit copy&paste in das Teminal übernommen werden. Als da wären:

der mpd-Player:

Zitat:sudo apt-get install mpd mpc python-mpd

und der Radio Daemon:

Zitat:wget http://www.bobrathbone.com/raspberrypi/p..._armhf.deb

sudo dpkg -i radiod_6.9_armhf.deb

Danach läuft automatisch das Einrichtungsscript für das Radio. Bei den Überschreibe-Fragen wählt man den ersten Punkt (Startdateien ersetzen) und legt die gewünschten Parameter fest (Anzeige, Bedienung). Es folgt automatisch die Audiokonfiguration. Alle Einstellungen können auch nachträglich wieder geändert werden indem man die entsprechenden Scriptdateien startet.

Nach einem reboot landet man auf der X11 Oberfläche und kann sein gewünschtes Radio starten. Dazu braucht man erst mal die Maus. Wie man das automatisiert hab ich noch nicht rausgefunden.

Ebenso hab ich mich noch nicht mit den playlisten beschäftigt. Laut Handbuch ist das nicht so einfach. Es gibt dafür aber auch ein Installationsprogramm. Sehr viele Sender sind bereits vorinstalliert. Auf der Vintage-Skala haben sie einen festgelegten Zeigerabstand. Gelangt man ans Ende der Skala öffnet sich einfach eine neue Skala.

Das sind im groben die Installationsschritte. In dem 25x-seitigen Handbuch ist alles sehr ausführlich erklärt, man muss halt nur etwas suchen.
Gruß,
Jupp
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#3
Ja Jupp, das ist wieder extra Klasse. Respekt!
mit freundlichen grüßen aus Dielfen (Siegerland)
Dietmar
Wenn einer dem anderen hilft ohne daraus Profit schlagen zu wollen dann sind wir auf einem guten Weg
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#4
Klasse gemacht, Jupp!
Ein ähnliches Skalen-Display habe ich auch schon einmal im Internet gesehen, leider nur als Photo ohne link auf der Ersteller.
Der Umbau des Radios ist toll von Dir gemacht worden.
Grüße aus Wassenberg,
Norbert.
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#5
Super!!
Grüße aus dem Odenwald,

Werner


Lesen gefährdet die Dummheit!
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#6
Schön gemacht, gefällt mir  Smiley37
Nette Grüße

Norbert
                        ______________________________


Ich glaube an die Unantastbarkeit und an die Würde jedes einzelnen Menschen. Ich glaube, dass allen Menschen von Gott das gleiche Recht auf Freiheit gegeben wurde. 
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#7
Gefällt mir auch sehr. Endlich mal ein Internet-Radio mit bekannter Radio-Erscheinung und -Bedienung!!!

Hatte das auch mal irgendwo im Web gesehen, aber auch ohne Hinweis, wie das realisiert wurde.

Danke für die Vorstellung.

Bastler-Grüße

(Reflex)Kalle
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#8
Hallo Jupp,
Wahnsinn was Du da gezaubert hast.

Viele Grüße aus Peine
Detlef
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#9
Das ist echt klasse geworden Jupp! Ein Internetradio, welches auch aussieht wie ein Radio und nicht wie ein Tchibo Toaster! Das macht richtig was her.
~~~Es gibt nichts Gutes, außer man tut es (Erich Kästner)~~~
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#10
Servus Jupp,
Ja das hast du wirklich perfekt gemacht. Endlich mal ein Internet Radio, das auch nach Radio aussieht!
Mit herzlichen Grüssen aus Trient
Volker

Wer mehr über meine Basteleien wissen möchte, kann meine Web Seite besuchen.


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#11
Super ! Hier ist alt und neu harmonisch zusammengefügt, als wäre es schon immer so vorgesehen gewesen !

Etwas gewöhnungsbedürftig ist, dass bei Stationswechsel Zeiger und Signal nicht synchron verlaufen. Den neuen Sender hört man schon, bevor sich der Zeiger bewegt.

Die Heiz- und Anodenspannung solltest Du mal noch checken !


Grüße,
Jacob
Die Sockel sind (schon) an den Röhren !


°~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~°~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~°

I'm a face without a book !



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#12
haha, nur der Elvis hatte m.W. keinen Lautsprecher unter der Locke :-)

danke an alle für die Aktzepetanz!

Jakob, die Verzögerung bei der Abstimmung ist erst seit ich ein altes Raspberry Modell eingesetzt habe. Mit der 3er Serie läuft sie flüssig. Das ändere ich wieder, muss erst wieder einen 3B+ kaufen.
Mit der Heizspannung bin ich in einem Konflikt. In Stellung 220V beträgt sie 6,85V, und in Stellung 245V sind es 6,15V. Beides ist ungünstig.
Bei der Anodenspannung stehen in Stellung 220V am Ladeelko 264V und am Siebelko 253V an. Bei Einstellung 245V sind es 239 / 228V.
Gruß,
Jupp
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#13
Servus Jupp,
6,15V als Heizung ist doch noch ok, jedenfalls besser als 6,85V, mit der leichten Unterheizung bist du noch in der Norm. Ich würde das problemlos so lassen.
Mit herzlichen Grüssen aus Trient
Volker

Wer mehr über meine Basteleien wissen möchte, kann meine Web Seite besuchen.


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#14
(13.01.2019, 18:39)saarfranzose schrieb: Jakob, die Verzögerung bei der Abstimmung ist erst seit ich ein altes Raspberry Modell eingesetzt habe. Mit der 3er Serie läuft sie flüssig. Das ändere ich wieder, muss erst wieder einen 3B+ kaufen. 
Hallo Jupp,
zunächst einmal ein großes Lob für die erfolgreiche Transplantation. 
Die Performanceprobleme kommen deshalb zustande, weil der Autor der Software leider den Displaythread in Python programmiert hat. Auch die anderen ausgewählten Komponenten gehen nicht gerade Ressourcenschonend einher. Im Rahmen des Pimoroni-Radios wurde ja gezeigt wie Python das System ausbremst. Ein simples Abfragen eines Pins unter Python verbraucht ja schon gut 30-45 % der Rechenleistung eines Kernes! Die gleiche Aufgabe in nativen Code (C/C++) kommt auf knapp 1%. Die klassische Oberfläche in Python zu programmieren ist daher nicht sehr klug. Als Anfänger kommt man vielleicht mit Python besser klar und der Code sieht auch optisch einfacher aus, aber zu was für einem Preis! Man sollte jetzt anfangen die Frequenzanzeige direkt in C/C++ umzusetzen, danach werden selbst sehr alte Raspberrys keine Probleme mit der Auslastung haben. Zusätzlich Freiraum schafft man, wenn man nicht erst die komplette Desktopumgebung hochfahren lässt. Man kann auch direkt aus der Konsole ein X11-Fenster öffnen, in der nur die Frequenzskale angezeigt wird. Das spart Arbeitsspeicher und Rechenzeit die man dann eventuell in DAB+ oder andere SDR-Aufgaben (KW, MW, UKW) stecken kann. Ich habe das ja schon mal mit dem digitalen Heinzelmann (und einigen anderen Umbauten) durch. Eventuell sollte man darüber nachdenken eine klassische Frequenzskala als X11-Programm dem iRadio in Form einer Demo mitzugeben. 

Gruß 
Bernhard
Ansprechpartner für Umbau oder Modernisierung von Röhrenradios mittels SDR,DAB+,Internetradio,Firmwareentwicklung. 
Unser Open-Source Softwarebaukasten für Internetradios gibt es auf der Github-Seite! Projekt: BM45/iRadio (Google "github BM45/iRadio")
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#15
ja die Problematik mit Python ist mir bekannt. Ich als Nur-Anwender kann das nicht einfach so ändern. An dem X11-Start werde ich aber was ändern. Ich will ja auch keine Maus am Radio haben. Dann könnte ich das ganze mal noch mit einem 3A+ umsetzen. So welche hab ich hier, aber der einzige USB-Port des 3A+ wird ja dann schon vom touch-screen belegt. Hab auch grade mal noch einfache USB-Hubs in den Warenkorb gelegt.
Auf den Heinzelmann werde ich irgendwann noch zurückkommen. Daniel (Siemens78) hat mir zwei originale alte Heinzelmänner überlassen mit zumindest einer sehr schlechten Skala.
Gruß,
Jupp
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#16
6,15V sind weniger ungünstig als 6,85V, ich würde die Trafo- Stellung 245V nehmen.

Die Anodenspannungen 239 / 228V sind ausreichend; wie es aussieht, ist hier eine Schaltung mit Brummkompensation vorhanden, da ist die Spannung am Siebelko nicht höher.

Grüße,
Jacob
Die Sockel sind (schon) an den Röhren !


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#17
Sehr schön Jupp und das Blau macht richtig was her.

Ein echter Augenschmaus, GRATULATION.

Viele Grüße

Peter
„Keiner ist perfekt, aber die kölsche sind verdammt nah dran“

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#18
Hallo, Jupp,
ich denke, das könntest Du patentieren lassen. Wäre eine prima Geschäftsidee. Danke für das Zeigen!
Gruß!
Ivan
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#19
der Autostart der Radio-Oberflächen funktioniert erst nach Einspielen eines patches (radiod-patch-6.9-3.tar.gz), den man bei Bob downloaden kann. Dazu die Dateien des patches in den Ordner /usr/share/radio mit tar entpacken und die alten Dateien überschreiben. Nach dem neuen Durchlauf des Konfigurationsprogrammes funktioniert der Autostart und eine Maus oder Tastatur kann wieder entfernt werden.
Gruß,
Jupp
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#20
(14.01.2019, 18:47)navi schrieb: Hallo, Jupp,
ich denke, das könntest Du patentieren lassen. Wäre eine prima Geschäftsidee. Danke für das Zeigen!

zum Geldverdienen tut man sowas nicht, sondern weil es Spass macht Smiley53 . Allerdings werde ich bei der nächsten Börse in Riquewihr nach weiteren Rondo-Radios Ausschau halten. Zumindest ein weiteres hab ich noch im Lager. Das ist aber in gutem Zustand und da plagen mich dann wieder die Skrupel zum Umbau.
Gruß,
Jupp
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