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Lautsprecher mit Mundschutz?
#1
Liebe Freunde des guten Tons,
schaut mal: diesen Lautsprecher habe ich aus einem Loewe Opta Venus 536 ausgebaut.
   
Ich staunte nicht schlecht als ich die geschnittene Membrane bemerkte:
   
Um die Schnitte wieder abzudecken werden dünne Kunststoffstreifen untergelegt und zusammen mit dem Lautsprecher festgeschraubt. Na sag mal....
   
Das ganze sieht übrigens nicht so aus als hätte ein Bastler eine Eingebung und eine lockere Rasierklinge gehabt, scheint wirklich so gebaut worden zu sein. In ebay habe ich weitere Beispiele gefunden: das betraf auch den Venus 55, Typ 547.
Ach ja, das Teil klingt völlig normal, die Höhen sind ok und auch die Tiefen kommen gut rüber. Es klirrt und schnattert nichts!
Stellt sich nur die Frage nach dem Sinn? Akustischer Kurzschluß serienmäßig?
Wer klärt mich auf?
Beste Grüße
Klaus
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#2
Hallo Klaus,

bei den ganz großen GRUNDIG-Ovallautsprechern mit goldenem Korb, wie sie in der ersten Hälfte der 50er in den Spitzengeräten verbaut wurden, findest Du ebenfalls die ab Werk 'weggeschnittenen' Membranteile an den engen Rundungen.

Meine Überlegung ist, dass man auf diese Weise der Membran mehr Freiraum zum Schwingen verschaffen wollte, weil die engen Rundungen eines Ovals der Membran vermutlich weniger Bewegungsspielraum gestatten, als die sehr weit gerundeten Seiten des Ovals.
Ein Radioingenieur wird dies sicherlich besser erklären können.
_____________
Gruß
klaus

"Nutze das Fachwissen von Experten, aber bedenke stets: Die Technikgeschichte ist voll von Experten und Ihren Irrtümern."

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#3
Es handelt sich um ein mechanisches problem.
Genau so wie Klaus es beschrieben hat.
Stellt euch die weggeschnittenen zwei ecken ungefär nebeneinander for. Das ergibt einen kleinen lautsprecher mit kleinen radius.
Wie fiel kann der schwingen ohne sich zu zerlegen? Eigentlich nicht so fiel wie ein equivalenter grosser lautprecher
Damit die gesamte membrane des Ovallautsprechers bei grossen schwingamplituden nicht an den schmalen enden abgebremst wird, wurden sie einfach entfernt.
Jetzt kann der lautsprecher sich frei bewegen und wird bei grossen bewegungen nicht gestresst- verformt
Printed on recycled Data
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#4
Danke euch beiden,
ja, das würde Sinn machen. Die geometrische Komponente hatte ich nicht bedacht, kann man mal wieder über den Einfallsreichtum unserer Altvorderen staunen.
Beste Grüße an alle!
Klaus
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#5
Ja, das ist eine nachvollziehbare Erklärung. Allerdings schafft man damit die Möglichkeit eines akustischen Kurzschlusses, denn Luft (-schwingung) kann von hinten nach vorn bewegt werden. Es gibt zwar die beiden Balken links und rechts aber die müssen ja einen Mindestabstand zur schwingenden Membran haben, damit keine Verzerrungen oder Fremdgeräusche erzeugt werden durch unerwünschte Berührungen. Wenn man die Bewegungseinschränkungen durch die Wulst in den Rundungen betrachtet, muss man aber auch bedenken, dass durch den größeren Abstand zur Schwingspule der Hebel einen längeren Arm hat und die an der Schwingspule wirksame Kraft durch die Randsicke vielleicht garnicht soo viel größer ist als die durch die Breitseite.
Wenn das Prinzip sehr erfolgreich gewesen wäre, hätte es sich bestimmt breiter durchgesetzt - denke ich mal.

Viele Grüße

Ingo.
Die Konvergenz der Apokalypse führt unweigerlich zur Hybris.
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#6
Hi zusammen,
der akustische Kurzschluß ist so gewollt. Wurde aber durch die Kunststoffstreifen in den ausstrahlbaren Tönen etwas gedämpft.  
Dadurch wurden in bestimmten Frequenzbereichen (Höhen, sowie Tiefen) etwas bessere Ergebnisse erzielt als mit teuren Phasenverschiebungen und/ oder mehr Lautsprecher (Hochtöner und Baßreflex). 
Damit hat man früher einen etwas besseren Klang gehabt, nur mit erheblichem geringerem Aufwand und somit für weniger Geld produzieren konnte. Das  war damals das A und O. Jede Firma wollte Geld verdienen. 
LG aus Schwerin, Holger
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#7
Hallo in die Runde !

Ich schrub oben von vergleichbarer Membrankonstruktion bei manchen GRUNDIG - Lautsprechern. Habe heute mal in einem meiner "Lager" gegraben und möchte Euch diese Bilder nicht vorenthalten; es handelt sich um einen Lsp. mit goldenem Kunststoffkorb, könnte in einem 4040 verbaut gewesen sein:


   


Die Seite im Detail:

   


Weiteres interessantes Detail, die Klammer über der Schwingspulenöffnung:

   
_____________
Gruß
klaus

"Nutze das Fachwissen von Experten, aber bedenke stets: Die Technikgeschichte ist voll von Experten und Ihren Irrtümern."

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#8
Lieber
   
Vielen Dank fürs zeigen; habe ich noch nie gesehen.
Schönes Wochenende!
Klaus
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