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Rückbau einer SBR Super Ondolina 342A
#1
Hallo in die Runde.

Ich hatte kürzlich hier im Forum den SBR 441 A vorgestellt, ein Gerät der Société Belge Radio-electrique von 1941:
https://radio-bastler.de/forum/showthread.php?tid=16167

Dieses Radio hatte ich über ein Onlineportal erworben, und zwar mit einem gewissen Hintergedanken. Breitformradios schätze ich nicht so sehr, ausgefallene Formen schon. Also liebäugelte ich beim SBR 441 A, der schon etwas mitgenommen war, eigentlich nur mit Chassis und Lautsprecher. Natürlich schied schnödes Schlachten aus, nein, hier galt es, möglichst das gesamte Chassis samt Lautsprecher für einen historischen Rückbau zu verwenden

Der Grund dafür sieht so aus (eigene Fotos liefere ich nach, die Werkbank ist momentan komplett blockiert und die Werkstatt bereits zugestellt):
https://www.on4cbk.be/sbr-342a-1941/


Eine SBR Super Ondolina 342A, gleiches Baujahr wie der 441 A, also 1941.
Ein solches Radio in optisch gutem Zustand hatte ich vor vielen Jahren erworben, kam aber erst nach dem Kauf drauf, dass es vor langer Zeit mal komplett umgebaut worden. Fachmännisch zwar, aber komplett heißt hier, dass wirklich die gesamte Elektrotechnik entfernt worden war und ein AM-Super mit ECH42, EF41, EBC41, EL41, AZ41 sowie Bandfiltern von TESLA und einem mir unbekannten Drehschalterspulensatz für LMK verbaut worden war. Selbst der Netztrafo und der Lautsprecher samt AÜ waren nicht mehr original.
Das war elektrisch und mechanisch sauber ausgeführt (ein Gesellenstück?), wies aber etwas zuviel Restbrumm auf, und kurzum, richtig glücklich war ich mit diesem Bastelgerät nie.
Gottlob waren wenigstens die Skala samt Antriebsmechnismus und Drehko zur Sendereinstellung, die Rückwand und die Knöpfe original erhalten geblieben.


Mittels langwieriger Internetrecherche hatte ich herausgefunden, dass die Firma SBR seinerzeit im Sinne eines 'Baukastensystems' produziert hatte, d.h. die Chassis besitzen Unmengen gestanzter Löcher, so dass das gleiche Chassis bei verschiedenen Gerätetypen eingesetzt werden konnte.
Zumindest auf den Internetfotos schienen auch Bauteile wie Lautsprecher und Bandfilter identisch.

In der Theorie also gute Voraussetzungen die Super Ondolina 342A neu erstehen zu lassen.


Zwischenzeitlich hat der Umbau begonnen, dazu demnächst mehr.
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Gruß
klaus

"Nutze das Fachwissen von Experten, aber bedenke stets: Die Technikgeschichte ist voll von Experten und Ihren Irrtümern."

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#2
Hier zunächst die versprochenen Fotos des umgestrickten SBR Super Ondolina 342 A:

   

   


   

   

   



Das ist ein mir optisch sehr zusagendes Radio, das ich mittels des nunmehr gefundenen Teileträgers vom Typ 441 A wieder originalgetreu herstellen möchte.

Wenngleich, wie ich oben bereits schrieb, SBR auch hier bei den Typen 342 A und 441 A im Grunde das gleiche Chassis verwendet hat, so wird deutlich werden, dass der Umbau vor allem mechanische Herausforderungen birgt.

Zum Vergleich hier noch einmal die Ansicht vom Teileträger 441 A, damit deutlich wird, was ich meine:

   

   

Beim Teileträger befinden sich vorne 3 Bedienknöpfe, plus in der Seitenwand mit dem Tonregler eine vierte Bedieneinheit.

Bei der oben gezeigten Type 342 A sitzt links ein Doppelknopf, der Lautstärke und Klang regelt, rechts ebenfalls ein Doppelknopf, der Sender und Wellenbereich einstellt.


Soweit der erste Vergleich.
Es war nun zu überlegen, ob alle Teile wie Spulen, Trimmerplatten, Bandfilter, Kreisschalter, Skalenantrieb, Trafo etc pp. vom Teileträger in das "Rimlock-Chassis" des umgebauten 342 A zu verfrachten wären, oder ob nicht das gesamte Teileträgerchassis des 441 A aufgebaut und auf das Gehäuse des 342 A angepasst wird.
Da das Rimlock-Chassis im Untergeschoss nichts (!) mehr an Originalteilen trägt, wäre also hier Tabula Rasa zu machen gewesen, und mit der Gesamttransplantation wäre zugleich die gesamte Technik des Teileträgers zu überholen gewesen. Das sind Berge von maroden Kondensatoren und Widerständen.

Das war mir etwas zu viel "Transformation", die Fehlerquote selbst verursachter Schnitzer steigt bei sowas immens, zumal für beide Geräte kein Schaltplan zu finden ist. Es finden sich im Netz nur die Pläne vergleichbarer SBR-Typen,

- für den 342 A der Plan des 340 A  (der ist aber ohne TA und hat eine Kreisschalterebene weniger)
https://nvhrbiblio.nl/schema/SBR_340A.pdf

- für den 441 A der Plan des SBR 460 A

https://nvhrbiblio.nl/schema/SBR_460A.pdf


Fotos der Chassisunterseite beider Geräte sucht man ebenfalls vergeblich !



Das wäre zunächst nur der elektrotechnische Umbau. Das Problem geht aber auch heftig in den mechanischen Bereich.

Die Einheiten "Lautstärke-/Klangregler", "Wellenbereich-/Sendereinstellung" sowie auch der große Platten-Drehko sitzen bei beiden Chassis nicht in den gleichen Bohrungen, wobei der Umbau der Bedienungselemente für Sender und Wellenbereiche das Problem werden wird:
Hier muss nämlich grosszügig unterhalb des Chassis umgebaut werden, und zwar ist die gesamte Kreisschaltereinheit zu versetzen:

   


Dazu müssen aber erst andere Bauteile weichen, etwa eine ans Chassis verschraubte Kurzwellenspule, sowie der gesamte Platten-Drehko.

Das Gute: Wenn man kurz sucht, so findet man passende Lochstanzungen ab Werk hierfür.



Wiederum andere Bauteile müssen weg, so z.B. ein Blech, das am Teilespender441 A als Leerblech neben dem Lautstärkeregler zu sehen ist (s.o. links im Bild des Chassis), leider verschweißt, sowie der Träger für die Netzdrossel, die beim Teilespender seitlich ans Chassis geflanscht ist, ebenfalls auf einem verschweißten Träger.

   
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Gruß
klaus

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#3
das Ondolina 342 A sieht megaklasse aus!!

Bei mir hätte es seinen zweiten Komplettumbau erlebt. Von der Rimlockschaltung wäre bestenfalls nur noch ein NF-Verstärker übriggeblieben :-)

Mal gespannt ob deine Symbiose funktioniert.
Gruß,
Jupp
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"Normal" ist auch nur eine Einstellung auf der Waschmaschine
(Whoopi Goldberg)
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#4
Mit Interesse werde ich diesen Bericht verfolgen. Schön, das man auch mal Radios unser Nachbarn hier bestaunen kann.

Viel Erfolg bei dem Projekt Smiley20
Radiogrüße Detlef

Wer nicht mit dem zufrieden ist was er hat, wäre auch nicht zufrieden mit dem was er hätte, wenn er es haben würde.
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#5
(16.02.2021, 17:38)saarfranzose schrieb: Bei mir hätte es seinen zweiten Komplettumbau erlebt. Von der Rimlockschaltung wäre bestenfalls nur noch ein NF-Verstärker übriggeblieben :-)

Grins.
Glaube ich Dir sofort. Ein wenig war ich, wie man im Foto vom Innenraum sieht, sogar auf Deinen Spuren gewandelt. Allerdings nicht mittels Arduino, sondern, indem ein Radiowecker der Marke Telefunken zerlegt und anschließend als UKW-Teil in die Ondolina 342 transplantiert worden war. Man sieht es im Bild nicht, aber hierzu wurde extra ein zweites Seilrad auf den Achsstummel des Uhrenradios montiert, das größengleich zum Seilrad auf dem AM-Drehko der Ondolina ist. Dazu eine neu entworfene Seilführung, vergleichbar einer liegenden 8, und schon konnte die UKW-Einheit ganz normal über den Sendereinstellknopf der Ondolina bedient werden, und zwar so, dass wirklich der gesamte Zeigerweg auch dem UKW-Empfangsband entsprach. NF-Anschluss über die Tonabnehmerbuchse.
Fast ein kleines Kunstwerk, da simpel aufgebaut, aber alltagstauglich.


Zurück zum hier vorgesehenen Rückbau in den Originalzustand.
Man muss hier tatsächlich nach einem genau festgelegten Procedere vorgehen, das zwischendurch gestattet, nach jedem größeren Schritt die Funktionstüchtigkeit zu überprüfen.

Erster Schritt:
Zunächst war ja zu prüfen, ob sich das Fundchassis überhaupt in einen funktionstüchtigen Zustand versetzen ließ. Heißt, dass sich nicht irgendwo ein Kinken etwa in Form eines irreparalen Spulenschadens fand.
Das wurde zur Materialschlacht, die Stunden verschlang:

   

Folgende Anmerkungen dazu.
Der AÜ war unrettbar primärseitig defekt. Ein SABA-AÜ aus den frühen 50ern passte, allerdings musste die Steckerleiste des Original-AÜ umgebaut werden, was Löten am AÜ-Gehäuse erforderlich machte. Da musste der 150 Watt-Lötkolben ran.

Das LS-Poti war bombenfest, alle Versuche mittels dünnen Ölen, Heißmachens etc. funktionierten nicht !  Der Grund war heimtückisch: Das Gewinde des Potis war aus Zinkguss, der gewachsen war. Damit wurde die Achse bombenfest geklemmt. Zugleich saß auch die Überwurfmutter aus Messing ebenso bombenfest auf dem gewachsenen Gewinde. Selbst mit Brachialgewalt ließ sich die schmale Mutter nicht drehen. Ich habe sie schließlich zerbohrt. Das Poti ist Kernschrott.
Insoweit nicht tragisch, als das verbaute Poti des 441 - Chassis aus amerikanischer Fertigung ist und eine Achse von 6,3 mm besitzt. Die Ondolina 342 besitzt aber einen Achsdurchmesser nach deutscher Norm von 6 mm.

Im Bild der ersetzten Kondensatoren sieht man auch zahlreiche Glimmerkondensatoren, die mit rissig gewordener schwarzer Umhüllung versehen waren. Teilweise waren sie noch wertstabil, manche jedoch nicht. Der größte Ausreißer davon war 1 von insgesamt 4 Exemplaren in den beiden Bandfiltern. Dieser C hatte sich von 100 pF auf ca. 40 pF "herunterverbessert".
Hier ein Bandfilter mit seinen 2 schwarzen C  à 100 pF, geöffnet:

   

Die Bandfilter sind übrigens induktiv abgestimmt. Es findet sich obenauf (für die untere Spule gleichermaßen unten am Bandfilter) eine dünne Metallschraube, für die ich mir einen speziellen Abgleichschlüssel anfertigte. Dreht man die Schraube, so senkt sich ein Metallzylinder an ihrem Ende in den Spulenkörper hinein. Eine erfreulich solide Konstruktion !


Es fanden sich Bauteile verschiedenster Hersteller, d.h. das Radio hatte zahlreiche Reparaturen hinter sich. Dabei wurde  zumeist fachmännisch gearbeitet, in 2 Fällen kam allerdings Kopfschütteln auf:
Im Bild oben sind rechts unten auch 2 Kondensatoren der Marke DUCATI zu erkennen, deren Banderole noch sehr gut lesbar ist. Hier scheint der Reparateur nach dem Motto Viel-hilft-viel gewirkt zu haben. Es wurde wie folgt ersetzt:

100 pF durch DUCATI 6000 pF
220 pF durch DUCATI 50000 pF


Letztlich führte die Materialschlacht aber zum Erfolg. Das 441-Chassis mitsamt seinem Originallautsprecher erwachte wieder zum Leben.
Also geht es in Schritt 2 an den angedrohten Umbau der Mechanik.
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Gruß
klaus

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#6
Ich bin ja bekanntermaßen ein ungeduldiger Mensch. Will heißen: Radioprojekte dürfen bei mir im einzelnen keine Monate verschlingen, dann werden sie zu Dauerparkobjekten, an denen das Interesse verlorenging.

Also geht's hier weiter mit dem Umbau  - besser Rückbau -  hin zu einer Original - Super Ondolina 342 A des Jahrgangs 1941.

Zunächst mussten vom Spenderchassis des SBR 441A der Skalenrahmen samt Beleuchtung und Seilführung sowie der Mechanik zur Anzeige des Wellenbereichs entfernt werden. Der 441A hat 2 Seilzüge, einen aus Draht nur für die Bewegung des Stationszeigers und einen aus Schnur, der direkt von der Einstellachse zum großen Rad auf dem Drehko läuft. Interessant war, dass die kleinen Spannfedern beider Züge mit dem Drehkorad verlötet waren. Das scheint original. So kann man das also auch lösen.

Hiier nun die solchermaßen freigelegte Chassisfront, man sieht die zahlreichen Bohrungen, die der Hersteller vorsah, um ein Chassis in möglichst vielen Modellen verwenden zu können:


   


Das Lautstärkepoti ist auf desem Foto bereits nach links gewandert, wo es im 342 A benötigt wird, die Seilführungsachse des 441A ist verschwunden. Sie muss neu erstehen, und zwar dort, wo momentan rechts im Bild noch die Achse des Wellenbereichsschalters hervorlugt. Der Wellenbereichsschalter selbst muss ein Stück nach links wandern, er wird in der Super Ondolina 342 A indirekt betätigt, d.h. über eine Pleuelstange (ähnlich wie man dies von alten Dampflokomotiven am Radsatz kennt).

Nun kam die Königsdisziplin, die Neuplazierung eines Kreisschalters mit 2 Kreisplatinen und insgesamt 4 Schaltebenen. Immerhin bedient dieses Teil 4 Bereichseinstellungen, also K-M-L-TA, und wer jemals an sowas gearbeitet hat weiß, dass dann dort gefühlte 150 Drahtzuführungen angelötet sind. Natürlich ist die Baugruppe nach 80 Jahren fragiler geworden und die ummantelten Kabel widerborstiger.
Das würde als Herausforderung reichen, aber es muss zudem Platz geschaffen werden, damit die Schaltereinheit ausbaubar wird und wandern kann.

Bestandsaufnahme vor dem Umbau:


   


Nach hinten ist wenig Platz, dort sitzen die Empfangsspulen (Vorkreis und Oszillator), und die wollte ich auf keinen Fall antasten, da bereits beim Kondensatorenwechsel deutlich wurde, dass das Material der Lötfahnen auf den Platinen leicht bricht.
Außerdem muss zunächst die Kurzwellenspule rechts im Bild wandern, da der Bereichsschalter sonst am neuen Ort keinen Raum finden würde. Diese KW-Spule wiederum muss in vorgestanzten Löcher neu verschraubt werden, die in Teilen vom Plattendrehko (Sendereinstellung) blockiert werden; also muss der auch wandern.

Plattendrehko und KW-Spule waren einfach zu versetzen. Der Hersteller SBR hat für alles hochwertige Messingschrauben (Zollgewinde !) verwendet, die sich auch nach 80 Jahren ausgezeichnet lösen ließen.
Der Bereichsschalter wurde zunächst komplett neu verkabelt, soweit man an die Leitungsanlötungen überhaupt herankam. Jede Leitung bekam eine Hilfsverlängerung, im Bild die weißen dünnen Kabel:

   


Der Vorteil dieses Vorgehens: man kann jederzeit prüfen, ob das Radio noch funktioniert, man sich also keinen Kinken eingebaut hat. So kann man den Schalter im Ganzen wandern lassen, hier bereits  -vorläufig-  verschraubt am neuen Ort:

   


Aufmerksame Leser werden nun feststellen, dass die Schalterachse abgesägt wurde (sic !).  Ja, sowas macht man sehr ungerne, aber sie wird künftig im 342 A nur noch als Stummel benötigt (s.o. "Pleuelstangenbetätigung"), und mit der langen Achse hätte man den Bereichsschalter natürlich nicht an den Empfangsspulen vorbei bekommen.
Auch wird der Bereichsschalter noch etwas auf Abstand zur Chassiswand gesetzt werden müssen, damit künftig der neue Seilzug dran vorbeilaufen kann.

Alles umgebaut, dann sieht das Chassis mittlerweile so aus:


   

   


   

Der Drehko an seinem neuen Platz, noch mit angeflickten Zuleitungen.  Hier muss ich erwähnen: Dieser Drehko wird dort nicht bleiben. Beim Typ 342 sitzt zwar prinzipiell der gleiche Drehko, aber dieser hat eine längere Achse (und der wurde vom Rimlock-Chassis-Erbauer gottlob tatsächlich dort belassen). Auf dieser längeren Achse sitzt beim 342A der Skalenzeiger, außerdem ist der dortige Drehko näher am Chassis angeordnet und zudem in besserem Zustand. Die jetzige, vorübergehende Transplantantion des 441-Drehkos diente nur dem Zweck, die Funktionsfähigkeit des Umbaus zu testen, und ja: Das Chassis läuft lautstark !

Ferner verschwindet natürlich der noch am Drehko hängende Kabelbaum: er führt zur Topffassung der EM 1, und die Super Ondolina 342 A hat kein Magisches Auge. Kann also weg.

Als nächster Schritt wurde der Kabelbaum für den Lautsprecher verlegt, um Platz zu schaffen für die Netzdrossel. Die sitzt momentan ja noch auf einem angeschweißten Halter, der so nicht ins Gehäuse des 342 A passen würde. Sie wird ihren Platz vor dem Netztrafo finden (dort sieht man sie im Original auf Fotos im Netz):


   


Natürlich wurde mittlerweile die weiße Hilfsverkabelung entfernt, manche Leitung musste dennoch verlängert werden. Kein Foto davon, denn erst wenn alles umgebaut ist (Skala und Antrieb), wird endgültig "schön" verkabelt, insbesondere die Leitungen zum Plattendrehko.
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Gruß
klaus

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#7
Hallo, Klaus!
Wellenschalter - wechsel! Chapeau! So was traute ich mir bisher nie!
Ich lese gern weiter.
Gruß!
Ivan
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#8
Hallo Ivan.

Ehrlich gesagt, da hatte ich auch Muffensausen. Es ist weniger die Angst, dass mal ein Kabel abgeht, als vielmehr die Befürchtung, dass dabei etwas abbricht, was nur noch schwerlich wieder zu reparieren ist.

Mittlerweile habe ich Abstandsbuchsen gefertigt, so dass der Schalter gut 1 cm von der Chassiswand entfernt steht. Damit sollte der Seilzug genügend Platz haben, um dort entlang zu laufen.

Derzeit läuft ja die (Ersatz-)Röhrenbeschaffung, hier haben sich bereits 2 Kollegen aus dem Forum auf meine Anfrage gemeldet.
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Gruß
klaus

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#9
Weiter geht's mit Projektabschnitt 3, nachdem in Schritt 1 das 441 - Chassis spielbereit gemacht und alle defekten Bauteile getauscht wurden, und in Schritt 2 mit dem Umbau des 441 - Chassis in Richtung eines 342 - Super Ondolina Chassis begonnen wurde.

Nunmehr geht es an die Transplantation von Skala, Skalenrahmen, Seilzugmechanik und natürlich der Pleuelstangenmechanik zur Wellenbereichumschaltung. Zuvor muss noch die Netzdrossel am 441 - Chassis neu platziert werden, wobei hier der verschweißte Halter das Hauptaugenmerk verdient.



Ich muss an dieser Stelle bekennen:
Ob das wirklich alles in der Praxis so funktionieren wird, wie es sich in der Theorie darstellt, ich weiß es nicht. Dieser Bericht wird parallel zu den Arbeiten am Radio verfasst, also fast 'live'. Indem ich dies tippe bin ich noch eben so neugierig wie diejenigen, die diesen Bericht hier im Forum mit Interesse verfolgen.
Wie auch immer, die Arbeit an diesem Projekt macht mir bisher große Freude und unser Hobby beeinhaltet ja auch zu einem gewissen Anteil die Freude am 'Machbaren', die mitunter auch mal durch einen Misserfolg gebremst werden kann. Hier haben wir ja keine "normale" Restaurierung, sondern es wird die Wiederherstellung eines recht seltenen Gerätes in seinen früheren Werkszustand mittels Originalteilen projektiert.


So, nun zurück zum Radio. Dazu zunächst eine Fotobestandsaufnahme, bevor mit den Arbeiten begonnen werden kann.

1)        Wir beginnen mit dem Originallautsprecher, entnommen aus dem 441 und schön mit Herstellungsdatum versehen.

Ihr erinnert Euch vielleicht an den Fundzustand:


   


Der AÜ erwies sich als unrettbar defekt, die Schwingspule krachelte bei Bewegung am Kern, die Membran hatte sich in Teilen vom Korb gelöst (leider nicht ganz) und ein im Schaltplan nicht vorhandener Hochlastwiderstand eines britischen Herstellers (10 k) war nachträglich angebracht worden.

Abschleifen kam, trotz Rostbefalls nicht in Frage. Die Markierungen wären verschwunden. Auch gegen eine partielle Neulackierung entschied ich mich, da der Lautsprecher nicht einfach 'schwarz' ist, sondern eine Beimengung anderer Lacke hat, die ihn leicht dunkelgräulich wirken lassen. Das bekommt man mit einer Beilackierung nicht hin. Also wurde der grobe Rost etwas beschliffen und das Ganze mit einem leicht ölgetränkten Lappen poliert:

   

Ob der ehemals SABA - AÜ noch schwarz lackiert wird, ist noch nicht entschieden. Wichtig war, die Originalsteckleiste zu transplantieren, sie ist auf Fotos solcher Lautsprecher im Netz öfter verschwunden, da der AÜ wohl öfter mal ausfiel und ersetzt wurde:

   

Der 10 k ist verschwunden. Mir fiel auf, dass bei 220 Volt - Betrieb die Ua etwas zu hoch erscheint (280 bis 290 Volt ggü. den im Plan verzeichneten 255 Volt), während die Heizspannung innerhalb des gewünschten Rahmens liegt. Ein früherer Reparateur hatte daher diesen 10 k von Ua gegen Masse geschaltet, quasi als zusätzliche Last.
Das 'Problem der hohen Ua' lässt sich heute aber auch einfacher durch die Wahl der 240 Volt-Stellung am Trafo lösen. Uh liegt dann immer noch bei 6,2 Volt.

Die Membran wurde nicht abgelöst, erste vorsichtige Versuche zeigten, dass der aufgeklebte Papprand sehr fest saß und die Gefahr des Zerreißens bestand. Ich wollte dort also nicht mit Hitze oder Lösungsmitteln ran. Daher wurden die losen Segmente wieder verklebt:


   

Der Kernspalt wurde ausgesaugt und mittels der mittleren Einstellschraube die Membran vorsichtig neu justiert. Der Lautsprecher funktioniert damit wieder wie einst.


2)   Nun zum Super Ondolina - Rimlock - Chassis. Dazu folgende Fotostrecke:


   


Das ist die Ansicht des Rimlockumbaus von unten. Da wurde wirklich die gesamte Originalsubstanz entfernt. Die vielfache Verwendung der gestreiften Vitrohm - Kohlemassewiderstände in Verbindung mit den 5 Rimlockröhren gestattet eine zeitliche Eingrenzung des Umbaus. Neuere Klötzchenkondensatoren stammen von mir, nach dem Kauf des Radios vor etwa 15 Jahren. Sie ersetzten defekte Kondensatoren des Rimlockumbaus.

Dazu die Ansicht von oben mit Blick auf den Plattenkondensator:

   
   

Man sieht das zweite Seilrad rechts vom Originalseilrad. Es wurde von mir auf dem Stummel des Radioweckerdrehkos angebracht, der hier als UKW-Teil verwurstelt worden war. Antrieb über einen gemeinsamen Seilzug. Damit konnte man klasse UKW hören und der Antrieb des Zeigers funktioniert so, als sei es nie anders gewesen. Historie, denn dieses UKW-Teil wird nicht mitwandern. Es wurde dort verschraubt, wo sich numehr beim hergestellten Originalchassis die Einstellschrauben für den Abgleich befinden.



Hier jedoch interessiert vielmehr die Chassisfront:


   

Im Design gelungen, finde ich. Die schwarzen Punkte sind außen auf dem Skalenglas, damit entfernbar. Ich hatte sie seinerzeit als Behelfsmarkierungen für den UKW - Empfang mit Filzstift angebracht.

Ganz rechts unten im Skalenfeld seht Ihr einen kleinen weißen Punkt. Das ist die mechanisch angetriebene Anzeige für den gewählten Wellenbereich. Unaufdringlich klein gehalten.
Unterhalb der Skala ein etwas überdimensioniert anmutendes schwarzes Etwas. Darin befindet sich die Skalenlampe, die mittels des schwarzen Halters an die Skalenscheibe gesteckt wird und zugleich eine Lichtführung erfährt. Diese ganze Mimik ist übrigens durch eine Öffnung im Boden des Holzgehäuses entnehmbar, d.h. das Birnchen kann ohne aufwendigen Chassisausbau gewechselt werden.



Links hinter der Befestigungsspange ein Poti für den Klang, mit Hohlachse. Original befände sich dort nur ein Hell/Dunkelschalter, ebenfalls mit Hohlachse und vor dem Chassis liegend. Ich hatte dies mal gegen die gezeigte Lösung verbessert. Es waren dazu keine Löcher zu bohren. Dahinter liegend, von hinten in die Chassisfront geschraubt, und somit durch diese Hohlachse führend  befindet sich das LS - Poti (1 M) mit Bürzelnetzschalter.


   


Rechts auf dem vorletzten Foto sehen wir die Hohlachse, die über die schon öfter erwähnte Pleuelstange die Wellenbereichsumschaltung betätigt. Durch diese Hohlachse hindurch laufend die Seilzugachse, die direkt auf das große Rad auf dem Plattendrehko wirkt. Der Skalenzeiger ist direkt auf der Drehkoachse angebracht, ein weiterer Seilzug (wie beim 441 A) entfällt damit.
Hier nochmal im Detail:

   


Das gilt es nun umzubauen.
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Gruß
klaus

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#10
Es geht weiter.
Diesmal etliche Fotos und wenig Text.

Der vom Rimlockchassis 342 A ausgebaute Originaldrehko (längere Achse mit Gewindebohrung am Achsenende, für den Skalenzeiger des 342 A):

   
   

Der Drehko ist hier ab Werk mit dem Skalenrahmen verbunden.



Anschließend wurde der Pleuelstangenmechanismus für den Wellenbereichsschalter samt Seilzugachse vom Rimlockchassis abgebaut, das ist eine Einheit:


   



Und dann wurde transplantiert, immer verbunden mit der Frage: Passt das alles, und vor allem: passt danach alles ins Ondolina 342 A - Gehäuse?

Hier der umgebaute Pleuelstangenmechanismus, man sieht die von mir abgesägte Achse des 441 - Kreisschalters:

   


Ließ sich wie erwartet drehen, d.h. alle Wellenbereiche ließen sich einstellen. Schon mal gut.


Nun kam die Nagelprobe hinsichtlich der Passgenauigkeit der Achsen im Hinblick auf das Gehäuse:

   
(es ist noch der falsche Lsp verbaut)

   

Das sieht doch gut aus ! Smiley34



Dann kann ja auch der Skalenrahmen samt Drehko verbaut werden, jawoll:
Den Klangregler noch umbauen, damit die linke Doppelachseinheit auch komplett ist.

   

Und weil alles so schön passt, gleich noch die Siebdrossel an ihren neuen Platz vor dem Trafo montieren:

   


Bis hierhin: prima gelaufen !
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Gruß
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#11
Hallo Klaus,

meinen Glückwunsch zum bis jetzt Erreichten!
Die Idee mit dem Wellenschalter übrigens finde ich super!

Viel Erfolg für den weiteren Verlauf dieses Projekts!
Smiley47
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#12
Nun geht's weiter mit der Super Ondolina. Es wird, aber das Gerät hält die üblichen "Überraschungen" parat.

Das Chassis spielte auf der Werkbank, aber in unregelmäßigen Abständen war für einige Sekunden ein hässliches Krachen aus dem Werkstattlautsprecher zu hören. Natürlich kaum zu orten, da es unregelmäßig auftrat und zudem nur kurz. Messungen waren damit nicht möglich, ein Beklopfen aller sichbaren Bauteile offenbarte zwar eine mäßige Lötstelle, aber das Geräusch war immer noch da. Manchmal erst nach 30 Minuten Betrieb.

Ich wechsele in solchen Fällen dann die Röhren, hier sind es ja nur 4, um zu prüfen, ob der Fehler sich dann erledigt hat. Ich habe diesbezüglich schon die sonderbarsten Röhrenfehler aufgespürt. Und gerade die roten Röhren sind ja anfällig für gelöste Sockel mit einhergehend schlecht leitfähiger Verbindung des Abschirmdrahtes zu dem roten Abschirmlack. Auch treten je nach Hersteller immer noch Oxydationsfehler in der Lötverbindung der oben liegenden Gitterkappen auf, wie man sie speziell bei Vorkriegsröhren (z.B. AF 7) oft beklagen darf.
Zwei Kollegen hier aus dem Forum halfen mir weiter mit Gebrauchtröhren, die ich vorab speziell in dieser Hinsicht "sattelfest" machte.
Das Geräusch blieb.

Letztlich sieht man den Übeltäter hier im Bild:

   

Es war der Spannungswahlstecker. Diese bei Philips oder bei Philipsderivaten wie den SBR-Radios häufig anzutreffenden Stecker sind eigentlich eine clevere Lösung: Man kann die Netzspannung auf einfache Weise sachgerecht wählen, der Stecker enthält zudem eine flache Sicherung. Man schraubt dazu die beiden Steckerpins aus dem Stecker, legt das Sicherungsplättchen ein und schraubt die beiden Steckerstifte wieder ein. Solche Sicherungen habe ich natürlich nicht, ich setzte bei der Super Ondolina an andere Stelle einen heute üblichen Sicherungshalter samt Glasrohrsicherung.
Die Verbindung im Stecker brückte ich mit einem Stück Kupferdraht, das ich leider an einem Pin nicht sauber schraubverklemmte. Nicht zu sehen, dass es mehr anlag, als festsaß.
Selbst gebaute Fehler sind immer noch die besten !


Etwas Ärger machte unerwartet auch die Skalenseilführung, wobei das Gerät über eine wirklich simple Seilzugführung verfügt: Es muss ja kein Skalenzeiger bewegt werden, weil dieser auf die Drehkoachse geschraubt ist. Also wird der Zug nur von der Seilantriebsachse auf das große Blechrad des Drehkos geführt. Eine einfache Ovalform, keine zusätzlichen Seilführungsrollen. Das funktionierte auch rasch sehr gut, aber seht selbst:

   

Auf der Antriebsachse sitzt eine Kunststoffrolle, die den nötigen Grip aufbaute, so dass selbst auf eine zweite Umschlingung des Seiles an dieser Stelle verzichtet wurde. Leider bröselte dieses Kunstoffteil, man sieht deutlich die Ausplatzungen. Total morsch !

Also wieder mal den Teilefundus bemüht. Gut wenn man fast alles aufhebt:

   

Passte natürlich erstmal nicht. Grund:   Das Radio hat (nicht wie ich weiter oben schrieb: "6 mm") dort eine 6,3 mm Achse. Also musste die Öffnung des Ersatzteils vorsichtig aufgefräst werden, denn ich hatte nur einen 6,5 mm - Bohrer, das schien mir etwas zuviel Materialabtrag. Fummelarbeit, die Zeit frisst, aber es passte schließlich. Allerdings sind dort jetzt 2 Seilumschlingungen nötig, damit der notwendige Grip sich aufbaut.

Jetzt sitzt das Chassis erstmal lose im Radiogehäuse, mit aufgeschraubten Knöpfen und dudelt mittels des schwarzen Originallautsprechers fröhlich vor sich hin. Einbau der Skala steht noch aus, Anbringen von Gummipuffern zwischen Gehäuse und Chassis, etc. Restarbeiten halt.

Ach ja und als Abschluss natürlich noch das Anbringen des Originalemblems !
Bislang ziert die Front oberhalb der Skala ein altes Philipsemblem, das ich seinerzeit anbrachte, um das deutlich sichtbare Loch im Holz zu cachieren.

   

Der Teilespender SBR 441 besaß das passende Original - SBR - Emblem Smiley34  . Dazu mehr im letzten Beitrag.
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Gruß
klaus

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#13
Mission accomplished.


So, liebe Mitleser und Mitleserinnen,
das Radio ist auf die Zielgerade gegangen, nachdem eine letzte Frage zum Abgleich heute dank Forenhilfe geklärt werden konnte.
Nur der Vollständigkeit halber:
Die Originalanleitung sieht den L-Abgleich von Vorkreis und Oszillator bei "haut de gammes" vor, also am oberen Bereichsende, den C-Abgleich bei "bas de gammes", also am unteren Bereichsende. Das bezieht sich auf METERangaben, nicht auf kHz.

Hier nun die Fotos vom komplett wieder aufgebauten Radio:

   

   

   

   


Da passt wirklich alles aufeinander, die Skala samt Knöpfen und Achsen in die Ausschnitte des Gehäuses, das Chassis ins Innere und die Chassisbuchsen in die Ausschnitte der Rückwand, samt stimmiger Beschriftung in französisch und niederländisch.
Ich habe das Chassis geringfügig höher ins Gehäuse gesetzt, weil ich zwischen Chassis und Gehäuseboden noch dünne Gummistöpsel eingefügt habe. Keine Ahnung, ob das im Original so war. Vorhanden war nichts mehr, andererseits sind die Bohrungen im Gehäuse so groß, dass die Gummistöpsel problemlos hineinpassten.

Und natürlich ziert jetzt auch wieder ein Originalemblem von SBR aus dem Modelljahr 1941 die Front:

   


Kuriosum am Rande:  Die unteren Eckbereiche der Skala sowie der mittige obere Bereich, die alle weiß gedruckt erscheinen, waren ursprünglich mal in rosé gehalten. Sie sind von Sonneneinstrahlung ausgebleicht. Man sieht dies auf Fotos eines ebensolchen Radios im Netz sowie an meiner Skala, wenn das Chassis ausgebaut ist.

Das Gerät geht nun in den Erprobungsbetrieb, es hat wie man auf den Fotos sieht bereits im Wohnzimmer Platz genommen. Damit sollen letzte Mucken, die im Betrieb noch auftreten können, lokalisiert werden.
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#14
Hallo Klaus,

das hast Du wirklich mit viel Mühe und Fleiß gut hin bekommen. Das Gerät hat es sich verdient. Es sieht ja wirklich sehr schön aus.

Und - ich lobe das immer wieder - die Repräsentation einfach sehr schön.
Es grüßt Euch aus Peine
     
     Andreas
Nicht nur die Röhren sollen glühen.
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#15
Danke für das Lob, Andreas.
Hier standen ja in erster Linie mechanische Arbeiten im Vordergrund, das bereitet mir immer wieder Spaß am Hobby, und natürlich die elektronische Überholung von Chassis und Lautsprecher.  Holzarbeiten waren von mir bereits vor vielen Jahren beim Kauf des verbauten Geräts erledigt worden, das ist ja weniger 'mein Ding'.

Jedenfalls hat mir das Projekt Freude bereitet, und dazu hat ganz wesentlich auch die Hilfsbereitschaft der Forengemeinde beigetragen.
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Gruß
klaus

"Nutze das Fachwissen von Experten, aber bedenke stets: Die Technikgeschichte ist voll von Experten und Ihren Irrtümern."

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#16
Kurzer Erfahrungsbericht.
Meine Radios müssen spielen, und zwar ohne Krach- und Brummgeräusche. Funktionalität geht hier stets vor Museumstauglichkeit.

Tatsächlich wehrte sich die Super Ondolina 342 A anfänglich noch gegen ein geregeltes, unauffälliges Arbeitsleben. Ursächlich waren, neben einem Ausreißer bei den neu eingebauten Kondensatoren, tatsächlich die Röhren der sog. 'roten  Serie'.
Man kann diese als NOS bei eb.. noch ersteigern, und vielleicht ist dies wirklich die bessere Vorgehensweise. Ich dagegen tendiere nach wie vor bei all meinen Radios dazu, vorrangig bereits produziertes Material verwenden zu wollen, das bereits im Einsatz war und noch gute Ergebnisse aufweist. Devise "aufbrauchen".

Hier aber machten eigentlich alle 3 Röhren der roten Serie einzelfallbezogen Probleme, die auf dem RPG nicht auszumachen waren, und dies obgleich ich die kritische Verbindung zwischen roter Abschirmung der Röhre und kontaktführendem Draht oberhalb des Sockels vorsorglich bereits tauglich gemacht hatte.
Dies aber unabhängig vom Hersteller, denn parat hatte ich Exemplare von Siemens, Philips, Valvo, Mazda, Dario und Belvu.

Es traten im Betrieb immer wieder kurzfristige Störgeräusche auf, die letzlich einer Röhre trotz deren überaus positivem RPG-Ergebnis zugeordnet werden konnten. Hier half nur geduldiges Ausprobieren, so dass mittlerweile äußerst zufriedenstellend folgende Herstellerkombination werkelt:

AZ 1 - Philips Miniwatt
EBL 1 - Siemens
EF9 - Belvu
ECH 3- Dario

Hier lässt sich, ich wiederhole, natürlich keine Herstellerabhängigkeit ableiten, sondern im Fokus steht die persönliche Erfahrung, dass diese Röhren mir mehr 'Erfahrungswerte' beschert haben, als ich mit bauähnlichen Röhren der A - Serie in über 40 Jahren Radioreparaturtätigkeit bisher zu sammeln vermochte.

Aber es hat sich gelohnt !

Die wiedererstandene SBR Super Ondolina 342 A konnte heute mittels 7- stündigem Dauerbetrieb per eingespeistem, modulierten Prüfsendersignal (abgeschirmt) ihre Praxistauglichkeit unter Beweis stellen.  Im Abendbetrieb sind zahlreichee Sender mit kleiner Antenne zu empfangen.  
Läuft   Thumbs_up
Gar nicht schlecht für ein Radio, das am 7. August 1941 (Lautsprechermarkierung, Gehäusestempel: 22. August 1941) in Brüssel vom Band lief.
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Gruß
klaus

"Nutze das Fachwissen von Experten, aber bedenke stets: Die Technikgeschichte ist voll von Experten und Ihren Irrtümern."

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