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EMUD Record 89 WKN , eine Ruine
#1
Hallo in die Runde.

Eigentlich hat man ja Radios genug (und dafür Platz zu wenig), aber manchmal hält der Zufall ein Angebot bereit, das man nicht ablehnen kann:

   


So geschehen an diesem Wochenende; ein EMUD Record 89, hier in der noch recht häufig anzutreffenden Ausführung "WKN", also der Neuauflage, nach dem Krieg. Zunächst einmal die schnöden technischen Daten:

Hersteller:  Ernst Mästling, Ulm/Donau
Typ:  Einkreisempfänger
Modell:  Record 89 WKN
Baujahr:  1948 - 1950
Röhrenbestückung:  AF 7, AL 4, AZ 1 oder EF 9, EL 11 und AZ 11 (oder AZ 1)
Stromversorgung:  Wechselstrom
Wellenbereiche:  LW, MW, KW, TA
Bedienelemente:  Antennendrehko, Abstimmung, Rückkopplungsdrehko, Wellenschalter
Gehäuse:  Bakelit
Besonderheiten:  Werkseitig eingebauter Sperrkreis in der Rückwand
Anschlussmöglichkeiten Rückseite: Zusatz - LS (hochohmig), TA - Buchsen, Antenne / Erde
Abmessungen:  450 x 230 x 186 mm
Gewicht:  7,5kg
Lautsprecher:  Elektromag. dyn. LS
Neupreis: 165,- DM


(Daten: Handbuch des Rundfunkhandels "Das Rundfunk-Jahr 1948/49")


Eigentlich habe ich ja sowas in der Art schon, nämlich das optisch gleiche Ursprungsgerät von 1939 in nahezu perfektem Zustand. Es hätte also kein 'Handlungsbedarf' bestanden, erst recht nicht, wenn man den Zustand der Ruine in Augenschein nimmt.

Rost allenthalben, zahlreiche Fehlteile:

   

   

   

   

   


Es fehlen also:

Röhren AF 7, AL 4, AZ 1
Rückwand
Original-Sperrkreis in der Rückwand
1 Frontknopf und der seitliche Wellenbereichsknopf
Originallautsprecher (obgleich der Original-AÜ noch im Radio baumelte)


Eigentlich ein Fall fürs Teileregal. Wenn nicht einiges für einen Erwerb zum Zwecke des Wiederaufbaus gesprochen hätte:

-  Gehäuse und Skala waren intakt.
-  Das Radio hatte bereits eine eb..-Runde hinter sich und keinen Interessenten gefunden.
-  Eine aus anderem Grund durchgeführte Reise führte mich sehr nahe am Standort des Radios vorbei und ein Termin ließ sich sehr kurzfristig vereinbaren. Zudem akzeptierte der Verkäufer Direktkauf per Gebot und Barzahlung bei Abholung. Somit entfiel der Versand, den das Gerät wahrscheinlich nicht überlebt hätte, und ich konnte mir ein besseres Bild vom Zustand machen.

Das spräche angesichts des Zustandes jetzt nicht zwingend für einen Wiederaufbau, wäre da nicht der eigene Teilefundus!

Dort fand sich nämlich
-  Eine gut erhaltene Original - Rückwand, mit Aufdruck für ein mit A-Röhren bestücktes Gerät (deshalb war der Ortstermin wichtig!)
-  Der Original-Rückwandsperrkreis
-  Der passende Röhrensatz A-Röhren
-  Der fehlende seitliche Original-Knopf zur Wellenbereichsumschaltung


Es kam also, wie es kommen musste:  Das Gerät konnte zu einem fairen Preis per Direktkauf erworben werden und harrt nun seiner Wiederauferstehung.

Ein erster Blick unters Chassis zeigt ein unverbasteltes Gerät, dessen Trafo allerdings sichtbar verrostet (aber noch nicht verquollen) ist und dessen Differentialdrehko (Antennenkopplung, gekuppelt mit EIN/AUS-Schalter) deutliches Achsspiel aufweist. Spulen und Kontakte habe ich noch nicht geprüft.
Da ich (Stichwort Rückwand) schonmal eine Ruine dieses Typs geschlachtet hatte, besteht Hoffnung, in meinem entfernt liegenden Teilelager noch weitere Originalteile zu finden.
Schaunwermal.
_____________
Gruß
klaus

"Nutze das Fachwissen von Experten, aber bedenke stets: Die Technikgeschichte ist voll von Experten und Ihren Irrtümern."

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#2
Hallo Klaus,

nur der Vollständigkeithalber: In der FUNKGESCHICHTE Nr.188 aus 2009 erschien ein Bericht/Restaurationsbericht zu diesem Gerät.

Leider liegt mir dieses Heft aber nicht mehr vor.
Grüße aus dem Odenwald,

Werner



Lesen gefährdet die Dummheit!
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#3
Hallo, Klaus,
es fehlt zwar ein Bild von der unteren Seite des Chassis, aber das was ich hier sehe ist machbar. Ja, der Originallautsprecher wäre das Problem, aber sonst wenn du schon mal das Gerät nach Hause geholt hast, bleibt dir nichts weiter übrig als es in Stand zu setzen - falls die Spulen alle intakt sind und der Wellenschalter auch. Der Trafo berichtest du schon soll i.O. sein, also ich warte auf den Bericht.
Viel Erfolg, Ivan

P.S. Am Wochenende gab es ein Blaupunkt - ich denke F620U o.Ä. für Kleingeld am Flohmarkt bei uns und zwar komplett. Ich konnte mich irgend wie aufhalten, wofür ich sehr stolz bin! Big Grin
Gruß,
Ivan
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#4
Hallo Werner, hallo Ivan.

Vielleicht taucht der Restaurierungsbericht aus der Funkgeschichte ja noch auf. Es gibt aber auch im Nachbarforum den Bericht zur Restaurierung eines 89 WKE, also des etwas älteren Geräts ebenfalls miit A-Röhren. Ansonsten: es ist ja nicht so viel drin Wink .

Was das Foto von der Unterseite anbelangt, das kommt natürlich noch, nur Geduld. Ich wollte erst einmal den Einstieg ins Thema gestalten.

Ob Trafo und Spulensatz bzw. Wellenschalteraggregat technisch in Ordnung sind, wird man sehen.
Ich bin mir nämlich noch nicht im Klaren, wie ich mit dem Rost auf der Oberseite des Chassis umgehe. Alles abbauen, schleifen und dann lackieren wäre ein probates Mittel, aber eigentlich sehr ungern möchte ich die Originalnieten der Röhrensockel, der Buchsen und des Typenschildes aufbohren.
Handschleifen und dann Silban wäre ein Ansatz, aber Pasten sind ebenfalls nicht so mein Ding.
Kommt Zeit, kommt Idee. Möglicherweise kommt zunächst einmal eine technische "Vor"- Instandsetzung, d.h. der provisorische Ersatz der defekten Kondensatoren, um festzustellen, ob der Apparat überhaupt zufriedenstellend in Gang zu bringen ist, bevor man unendlich viel Mühe in die Optik investiert.


Der Lautsprecher:
Ich habe noch einen Originallautsprecher der Vorkriegsvariante liegen, aber in sehr schlechtem Zustand, jedoch mit intaktem Feld. Den wollte ich eigentlich in Reserve halten für meinen Vorkriegs-89er, zumal diese Lautsprecher, die dem des VE dyn W sehr ähnlich sind, nicht unbedingt belastbare Klangträger sind. Immerhin hängt nachher ja eine AL4 davor, so dass ich momantan eher dahin tendiere, einen zeitgenössisch passenden Rundlautsprecher (pdyn) zu verbauen und zu dessen Befestigung die Originalschallwand (eigentlich ist das eher ein stoffbeklebtes "Kartönchen") aufzudoppeln. Ich hätte da was geeignetes von Grundig. Wird aber zunächst getestet, sobald das Radio jemals wieder läuft.
_____________
Gruß
klaus

"Nutze das Fachwissen von Experten, aber bedenke stets: Die Technikgeschichte ist voll von Experten und Ihren Irrtümern."

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#5
Klaus,
ein kleiner Tipp - probiere mal an einer unsichtbaren Stelle ein Tropfen Kalklöser was die (Frauen) z.B. fürs Bad nutzen.
Ich habe mal eine erstaunliche Erfahrung damit gehabt.
Ansonsten stimme ich mit dir zu - ich würde auch mich erst um die Optik kümmern, wenn die Funktion zufriedenstellend ist.
Gruß,
Ivan
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#6
Hallo

Der Restaurierungsbericht aus dem Nachbarforum ist von mir.


.jpg   20210925_182730_Größe ändern.jpg (Größe: 69,15 KB / Downloads: 625)

Ich habe derzeit noch zwei dieser Geräte ( ein WKN und ein GWK ) in Arbeit. Die Rückwand fehlt meistens.
Falls Fragen sind.......

P.S. Der WKE und der WKN sind vom Chassisaufbau und vom Schaltplan her nahezu identisch.Beim Zerlegen der Geräte wurden ein paar kleine Abweichungen
vom Schaltplan sichtbar. Beide Geräte gab es mit AZ1 oder mit AZ11.

Noch ein Bild von der Rückwand:

.jpg   Record 89 WKE Rückwand.jpg (Größe: 71,96 KB / Downloads: 620)
   

.jpg   20210915_194812_Größe ändern.jpg (Größe: 63,54 KB / Downloads: 615)
Grüße aus dem Rheinland
Roman

Die Zeit bleibt nicht stehen.
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#7
Hier die Rückwand des Record 89 WKN in der A-Röhren-Variante, die ich meinem Teilefundus entnommen habe. Sie unterscheidet sich praktisch nicht vom oben gezeigten WKE.
Im Vordergrund der zugehörige Sperrkreis sowie der seitliche Drehknopf, ebenfalls "Lagerware":


   


Der Sperrkreis ist ebenso im Wesentlichen unverändert zur älteren Variante WKE:

   
   

Änderungen zu im Netz auffindbaren Schaltplänen scheinen Teil der Serienproduktion zu sein. Der Plan des 89 WKN listet zwei Netzsicherungen, nämlich 1 Amp. und 0,5 Amp. Erstere sitzt in einem der Netzzuleitungszweige, die kleinere sitzt zwischen dem 150 Volt - Abgang und dem 220 Volt - Abgang.
https://nvhrbiblio.nl/schema/Emud_89WKN.pdf
Verbaut gemäß Beschriftung der Sicherungshalterplatine meines WKN sind jedoch 0,7 Amp. und 0,1 Amp.

Die Analyse der Chassisunterseite wird zeigen, welche weiteren Unterschiede es gibt.


Abschließend noch ein Foto der Skala, wie sie an meinem WKN verbaut ist. Das Prinzip ist das Gleiche, wie bei den anderen 89ern, d.h. ein farbig bedruckter Papierbogen ist zwischen zwei Klarglasscheiben eingefügt. An den aufgedruckten Stationen ist das Nachkriegsgerät gut von den älteren Varianten zu unterscheiden (sofern nicht nachträglich modernisiert wurde), ebenso sind KW und LW anders angeordnet:


.jpg   Skala.jpg (Größe: 81,42 KB / Downloads: 579)
_____________
Gruß
klaus

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#8
Es ging nun an die Prüfung der Substanz des Radios. Macht eine Wiedererweckung Sinn?

Dazu zunächst Fotos von der Unterseite des Chassis:

   

   

   


Das sieht, wenn man mal vom Flugrostbefall absieht, insgesamt noch sehr ordentlich aus. Ich habe keine bereits gewechselten Bauteile erkennen können. Auch der Trafo wirkt auf den zweiten Blick gar nicht so übel. Von seinem technischen Zustand hing das weitere Vorgehen ab. Also auf zur Leerlaufprüfung.
Die beiden Sicherungshalter sowie die Blechlasche zur Netzspannungseinstellung mussten intensiv gereinigt werden, damit eine zuverlässige Kontaktgabe möglich war. Ein Werkstattnetzkabel wurde angelötet und die Verbindung zum Netzteildoppelelko aufgetrennt. Die Durchgangsmessung mittels Ohmmeter brachte plausible Werte, d.h. nun konnte eine Leerlaufprüfung unter Spannung erfolgen. Als einzigen Verbraucher beließ ich das Skalenbirnchen. Das erinnert zuverlässig daran, dass das Gerät unter Spannung steht, falls während des Leerlauftests man sich in andere Arbeiten vertieft.

Der Trafo schien in Ordnung, also ging's an die provisorische Inbetriebnahme, wozu alle Teer- und Elektrolytkondensatoren einseitig abgeknipst wurden. Hier wurden Neuteile (vorläufig) eingelötet. Der Netzteildoppelelko (4 + 4 µF) wurde formiert, sowie eine Werkstattlautsprecherbox angestöpselt. Die fehlende Feldwicklung wurde mittels Widerstand simuliert.
Und letztlich war auch das Rotorkabel am Rückkopplungsdrehko gebrochen und musste ersetzt werden.


Damit tat sich eine arbeitsintensive Baustelle auf, denn zunächst wollte ich für diesen ersten Funktionstest die Skala noch an Ort und Stelle lassen. Sie sitzt in einem massiven Metallrahmen und störte nicht. Das Rotorkabel ließ sich aber nur erneuern, wenn der Drehko ausgebaut wurde, und das ging eben nur nach Entfernen oder zumindest Hochschieben der Skala. 
Sie ist seitlich auf ganzer Länge in Metallschienen geführt, d.h. sie muss zur Demontage in ganzer Länge nach oben geschoben werden.
Das Foto veranschaulicht den Vorgang, die Skala ist hier bereits zu etwa 1/4 nach oben geschoben:


   


Klingt einfach, wurde aber zur Geduldsprobe, denn das Glas ist dort, wo es in den seitlichen U-Schienen liegt, rundum mit einem roten Gummiband umfasst, und das härtet über die Jahre aus und verklebt die Scheibe machtvoll mit den Schienen. Hier sieht man rückseitig noch einen Teil des Bandes:


   


Man muss das Band stückweise seitlich herauspulen; der Kampf dauerte rund eine Dreiviertelstunde.


Der Funktionstest mit eingesetzten Röhren verlief gut, lediglich der formierte Elko hielt nicht durch. Das Brummen wurde mit zunehmendem Betrieb lauter. Er wird abgeklemmt im Gerät verbleiben, unter dem Chassis übernehmen 2 Einzelelkos zu 10 µF / 450 V seine Aufgabe.

Zur Höhe der Anodenspannung gibt das mir vorliegende und oben verlinkte Schaltbild zum 89 WKN keine Werte vor. Da die Feldspule nunmehr fehlt, galt es also, den Ersatzwiderstand passend zu dimensionieren, damit die Röhren in den üblichen Werten arbeiten. Dazu scheint die Dimensionierung des Widerstandes auf rund 3,6 kOhm passend.

A propos Schaltbild:  Es stimmt nicht. Man kann es lediglich als groben Richtwert gebrauchen.

-  Die kleinere der beiden Sicherungen (0,1 A) sitzt nicht zwischen 150 V- und 220 V- Abgang der Primärseite des Trafos, sondern sie sitzt sekundärseitig, nämlich zwischen dem Mittelabgriff der beiden Anodenwicklungen und Masse.

-  Desweiteren finden sich 2 Entstörkondensatoren zu je 5 nF primärseitig gegen Masse.

-  Weiterhin sitzt am Tonabnehmereingang ein im Plan nicht verzeichneter 10 nF.

Ich mache mir begleitend zu meinen Arbeiten Notizen und werde  -sofern kein Forenmitglied einen besseren Plan einstellen kann-  diesen Plan abfotografieren.


Die beiden vg. Entstörkondensatoren sind auf originelle Weise im Radio verteilt. Nummer 1 sitzt erwartbar am Spannungswähler des Trafos,


   

Nummer 2 sitzt dagegen am Antennendifferentialdrehko (der zugleich den Netzschalter trägt), hier links im Bild.

   


Etwas konkreter ließ sich nunmehr das Herstellungsdatum des Radios eingrenzen.
Der Netzteildoppelelko von FRAKO zeigt ja die Ziffernfolge 10.49, was ich nunmehr als Oktober 1949 deute. Weitere Kondensatoren verlagern diese zeitliche Annahme noch etwas nach hinten. Der oben im Bild neben dem Trafo sichtbare große, braune Papierkondensator (er enthält einen 1 µF- und einen 0,5 µF-Kondensator) trägt den Aufdruck 12/49.  Einer der kleineren Papierkondensatoren von ERO (100 pF) trägt die Ziffernfolge 5149, ein weiterer von ERO (5 nF) die Ziffernfolge 5249. Ich deute dies als Ende Dezember 1949 hergestellt. Unter dieser Prämisse bestätigt sich meine Annahme, dass das Gerät wahrscheinlich in den ersten Wochen 1950 vom Band lief. Das wäre dann bereits die Radiosaison 1949/50. Der Illustrierte Rundfunkkatalog von 1949/1950 macht hierzu nur ungenügende Angaben. Er listet ohne Foto einen EMUD Rekord WK zu DM 165,- zuzügl. DM 5,- für den Sperrkreis, ohne jedoch auf die Typenbezeichnung genauer einzugehen.



Das waren nun die Arbeiten des gestrigen Tages. Ich will hier nicht mit der Beschreibung von Standardarbeiten wie der Reinigung von Bauteilen oder dem Austausch von defekten Kondensatoren langweilen. Das kennt der Radiobastler zur Genüge. Vielmehr geht es mir bei diesem bislang recht länglichen Bericht eher darum, demjenigen, der ein solches Gerät irgendwann auf dem Tisch hat, eine hilfreiche Dokumentation an die Hand zu geben, soweit es um Besonderheiten wie den Skalenausbau, die Gestaltung des Gerätes ab Werk oder eben den Ersatz von nicht (mehr) vorhandenen Bauteilen (hier: des edyn Lautsprechers) geht.
_____________
Gruß
klaus

"Nutze das Fachwissen von Experten, aber bedenke stets: Die Technikgeschichte ist voll von Experten und Ihren Irrtümern."

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#9
Hallo Klaus,

ja dieses Radio hätte ich auch versucht zu retten und das ist ja hier auch möglich. Den Flugrost könntest Du gut mit Oxalsäure entfernen. Das Zeug gibt es bei ebay. Das ist eine milde, aber effektive Reinigung. Du mußt nur einen Eßlöffel von dem Zeug in etwas heißem Wasser auflösen. Dann immer wieder mit dem Pinsel satt auftragen. D. h. du mußt in der Nähe bleiben. Das Metall darf jetzt nicht wieder trocken werden. Sonst rostet es umso mehr. Man kann ja in der Zeit etwas anderes tun und immer wieder nach dem Chassis sehen. Vorteil von dem Zeug, man muss nichts ausbauen. Andere Materialien werden nicht angegriffen. Sogar evtl Stempel usw bleiben erhalten. Nach der Rostenfernung muss gehandelt werden. Ich neutralisiere dann mit wenig Wasser. Dann abreiben mit Stahlwolle, die etwas WD40 aufgesprüht bekommt. Nun kann man sich überlegen, reibe ich das Chassis etwas mit Öl ab, verwende ich Zapponlack oder man kann auch Silban verwenden. Das wird aber hier bei dem Flugrost eher nicht nötig sein.
Es grüßt Euch aus Peine
     
     Andreas
Nicht nur die Röhren sollen glühen.
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#10
Hallo Klaus,

den vom Werner angedeuteten Bericht/Restaurationsbericht aus der FUNKGESCHICHTE Nr.188,
habe ich Dir abgescannt.
Schick mir mal Deine E-Mail-Adresse per PN, dann lasse ich das Pamphlet zukommen...

Viele Grüße,
Rolf
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#11
(13.10.2021, 18:06)Bastelbube schrieb: ...den vom Werner angedeuteten Bericht/Restaurationsbericht aus der FUNKGESCHICHTE Nr.188,
habe ich Dir abgescannt.
Schick mir mal Deine E-Mail-Adresse per PN, dann lasse ich das Pamphlet zukommen...

Oha, vielen Dank !
Bekommst PN.
_____________
Gruß
klaus

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#12
Hallo Andreas und alle Mitlesenden.

Ich habe etwas experimentiert und schließlich meine Entscheidung gefällt.

1) Das Chassis bleibt 'untendrunter' umbehandelt, d.h. es wird gesäubert und der sehr milde Flugrost nur mit dünnflüssigem Öl sparsam eingerieben.

Letztlich gab, neben der originalen Vernietung von Buchsen, Typenschild und Röhrensockeln, der Trafo den Ausschlag, das Chassis nicht zu leeren. Den Trafo hat EMUD auf sehr ungünstige Weise mit dem Chassis verschraubt. Heißt, die Schraubenköpfe liegen oberhalb des Chassis, die Muttern zeigen zum Gehäuseboden und der Trafo insgesamt ist von unten bündig gegen das Chassis geschraubt. Zum Ausbau müssen also alle 4 Muttern gleichzeitig abgeschraubt und alle 4 Schrauben des Pakets nach oben herausgezogen werden, damit der Trafo freikommt. Auf diese Weise entspanne ich nach mehr als 70 Jahren unfreiwillig das gesamte Paket, dessen Bleche nicht durch einen umgebenden Schutzlack zusammengehalten werden. Genau das möchte ich aber nicht tun, denn die Bleche sitzen noch perfekt gefügt.

2) Das übrige Chassis wird in Bereiche aufgeteilt, die in mehreren Teilschritten (z.B. Bereich Skalenrahmen, Bereich vordere Chassiswand mit Vorbau etc.)  lackiert werden.
Dazu wird vorher entfettet und leicht von Hand angeschliffen, danach entstaubt. Ich gehe einen Weg, mit dem ich bislang gute Erfahrungen machte, d.h. der solchermaßen vorbereitete Bereich des Chassis wird dann, ohne Grundierung, sehr dünn per Sprühdose ('Felgenlack', silber) lackiert, praktisch genebelt, bis eine dünne Deckschicht entsteht. Keinesfalls dicke Schichten erzeugen!
Dabei werden andere Teilbereiche des Chassis abgedeckt bzw. abgeklebt. Kleinteile wie die beiden Quetscher werden ausgebaut.

Gut trocknen lassen. Es entsteht eine sehr gleichmäßige, wischfeste, aber zugleich hauchdünne Lackierung.
(Wer einmal im Kfz-Bereich unbeabsichtigten, eingetrockneten Sprühnebel entfernen wollte, weiß, wie hartnäckig dieser sein kann, obwohl gerade diese Fläche doch gar nicht zur eigentlichen Lackierung vorbereitet gewesen war) .
Dieses Verfahren bewährt sich nur bei leichtem, gleichmäßigen Flugrost ! Wären dagegen massive Rostbeulen im Blech, so müsste höherer Aufwand betrieben werden.

3) 'Obendrauf' werde ich ebenso den Rost von Hand vorsichtig beschleifen, es wird abgebaut, was geht (z.B. die komplette Drehkoeinheit). Der Schleifaufwand liegt hier etwas höher. Dann, so der Plan, werden Röhrenfassungen und Trafo / Spannungsumschalter, Kabel abgeklebt, das wird zeitaufwendig.

4) Wenn das alles geklappt hat kommt die hintere Chassiswand dran. Schleifen, entstauben, abkleben der Buchsen und des Typenschilds. Alternativ hatte ich bei versenkten Buchsen (beim EMUD sind dies die A- und die E- Buchse) sowie beim Typenschild in der Vergangenheit auch schon das gezielte, präzise Einfetten der zu schützenden Teile mittels nur langsam kriechenden Fettes praktiziert. Nach der Lackierung lässt sich der geschützte Bereich abwischen.


Insgesamt entsteht kein speckig lackiertes Hochglanzchassis. Rostnarben werden, da nicht gefillert oder gar gespachtelt, gegen das Licht erkennbar bleiben, aber so vernarbt ist das Chassis nicht. Darüberhinaus ist das Chassis ab Werk ebenfalls nicht grundiert und nur äußerst dünn silbern lackiert. Das verwendete Blech ist zudem teilweise von liederlich-rauher Oberflächenqualität, und zwar auch in Bereichen, die vom Rost verschont blieben (Skalenrahmen, Metallhalter des Lämpchens).

Da das Radio fortan sein Dasein nicht mehr in einer feuchten Umgebung fristen wird, ist mit einem neuerlichen Aufblühen des Rosts nicht zu rechnen.

5) Der Trafokern kann, dort wo sichtbar, entweder mit Ofenschwarz leicht berieben werden, oder es wird ein sehr dünnflüssiger, mattschwarzer Lack aus dem Modellbaubereich sparsam aufgetragen.

(Uff, war das viel Text   Tongue  )
_____________
Gruß
klaus

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#13
....Die beiden primärseitigen Kondensatoren gabe es abweichend vom Schaltplan nur im WKN. Auch weichen die Werte und auch die Anzahl der Kondensatoren
vom Plan ab. Nur der WKE wurde genau nach Schaltplan verdrahtet.
Grüße aus dem Rheinland
Roman

Die Zeit bleibt nicht stehen.
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#14
Hallo klaus,

das Verfahren mit dem Sprühnebel interessiert mich auch. Das werde ich bei Gelegenheit auch mal versuchen. Mit dem Netztrafo gebe ich dir sehr Recht. Trafokern etwas antrosten und Ofenschwarz drüber. Ein Sammlerkollege gab mir eine Empfehlung. Es gibt einen Rostumwandler, der Rost wird hinterher schwarz. Ich habe dann anschließend den Trafokern nur mit Öl abgerieben. Das hatte schon gereicht. Na Klaus, auf alle Fälle weiterhin gutes Gelingen. Ich lese weiter interessiert mit.
Es grüßt Euch aus Peine
     
     Andreas
Nicht nur die Röhren sollen glühen.
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#15
Zunächst einmal vielen Dank an Rolf (Bastelbube), der mir gestern abend noch den Bericht schickte. Interessante Lektüre zur EMUD 89 - Baureihe.

___________________________


Ich hatte gestern bereits mit ersten Lackarbeiten begonnen und diese heute fortgesetzt. Der Vorteil der gewählten Vorgehensweise ist, dass

1)  durch das sehr dünne Lackieren (Einnebeln) keine Lackierkanten zu den abgedeckten Bereichen des Chassis entstehen,

2)  man hernach schön sieht, wo man besser hätte schmirgeln sollen (Unebenheiten) und partiell nacharbeiten kann. Ein erneuter dünner Auftrag auf die so bearbeitete Stelle lässt sich, wenn nicht Wochen dazwischen liegen, mit einigem Geschick für die Sprühdose ebenfalls kantenfrei bewerkstelligen,

3)  ich damit Arbeitsergebnisse erziele, die meinen Ansprüchen vollauf genügen (optische Arbeiten sind ja nicht so mein Lieblingsgebiet bei der Wiederherstellung eines Radios   Confused , ich bevorzuge eindeutig die elektrotechnische Seite).

Doch genug geschrieben, Fotos sagen mehr:

   

   

Zuerst hatte ich mit Aceton abgerieben, da die Oberseite eines Chassis gemeinhin neben dem sichtbaren Rost auch viel Dreck abbekommen hat. Der Restlack löste sich dabei bereits auf. Danach habe ich etwas geschmirgelt, um eine gewisse Oberflächenglattheit zu erzielen. Ein chemischer Rostlöser hätte bei diesem Verrostungsgrad tiefer gewirkt und damit viele (kleinere) Narben erzeugt, was ich nicht wollte.

Zeitaufwendig war das Abkleben. Die Chassislöcher verstopfte ich von unten mit Wättebäuschen, um Durchsprühungen auf unter dem Chassis liegende Bauteile zu vermeiden. Man sieht die 3 gelben und den hellblauen Puschel. Watte hat hier den Vorteil, dass sie sich problemlos an schlecht zugängliche Stellen stopfen lässt und dort verbleibt, während man mit Klebeband erstmal den Ort erreichen muss. Trafo und Röhrenfassung der AZ1 erhielten einen Stehkragen aus Klebeband, dort hinein wurde schnödes Toilettenpapier gestopft.

Ein erstes Ergebnis sieht so aus:

   

   



Einige Anmerkungen:

-  Am oberen Skalenrahmen sieht man insbesondere links die schlechte Schweißqualität ab Werk. Das hätte man aufwendig glätten können, aber schießlich war dies nun seit 71 Jahren so und bleibt daher.

-  Der Massering des Netzteildoppelelkos wurde nicht abgelötet und bekam natürlich auch Lack ab. Das macht in diesem Falle nichts, da der defekte Originalelko lahmgelegt an seine alte Stelle wandert und keine Kontaktgabe mehr benötigt; so man sich trotzdem daran stört, kann man den Lack auf dem Massering mittels eines Wattestäbchens, das man mit Aceton befeuchtet, problemlos abreiben.



Zwischendurch hat man ja immer mal wieder Zeit, wenn der Lack ablüftet. Deshalb ein Schwenk zu den Anbauteilen des Chassis.

Der Drehko zur Sendereinstellung hat Wiedererkennungswert. Er ist baugleich zum im VE (1. Serie) verwendeten Drehko. Im EMUD ist er allerdings erhöht montiert, d.h. ein zum Dreieck geformtes Flacheisen ist hochkant darunter gelegt:

   

   

Seine in den Rotor geschraubte Achse ist etwas länger, als im VE. Sie trägt das Seilzugrad, hier ebenfalls rostbefallen, so wie am vorderen Ende eine runde Zellophanscheibe mit einem eingelassenen Querstrich. Das ist der Skalenzeiger. Die Scheibe war verbogen.

Der Drehko war intakt, er wurde nur oberflächlich etwas gereinigt; das Seilzugrad wurde neu lackiert. Die Zeigerscheibe wurde zunächst mittels M6-Schraube auf die Öffnung des Deckels einer Sprühdose geschraubt. Damit hatte sie ihre ebene Form wieder. Sodann hielt ich sie unter leichten Drehbewegungen unter eine 60 W - Glühbirne meiner Arbeitstischleuchte, bis sie fühlbar gut warm war (nicht verbrennen !) . Dann erkalten lassen und die Wellung ist so weit verschwunden, dass man damit leben kann.


Eine größere Baustelle war der Antennendifferentialdrehko. Er funktionierte zwar noch, aber seine Rotorachse aus Aluminium hatte deutliches Spiel zur Pertinaxscheibe, die im Inneren den Rotor hält. Sowas nervt, da man beim Betätigen in jede Richtung ein Stück Leerweg hat. Man kommt auch nicht umhin, diese Achse fortwährend zu drehen, da der EIN-/AUS-Schalter am Drehko angenietet ist. Achse und Rotorhalterung haben im Inneren eine Vierkantpassung, und die zeugte vorliegend von häufigem Gebrauch des Radios, also deutlichem Verschleiß dieser Billigheimerkonstruktion.

Da man sowas im Neuzustand nicht liegen hat, ist Selbsthilfe angesagt, also zerlegen:

   

Dazu das zum Nietkopf geformte Ende der Aluachse vorsichtig öffnen, indem man den darunterliegenden Betätigungshebel des Netzschalters mittels zweier Messer dagegenkantet. Geduld und Fingerspitzengefühl erforderlich. Abschleifen des Nietkopfs wäre keine Lösung, man kann das Alu ja anschließend nicht verlöten, sondern muss wieder einen neuen Nietkopf formen. Also darf kein Material verloren gehen. Allenfalls könnte man ein M2 oder M3-Gewinde in die Achse schneiden, aber das ist aufwendig.
Man kann dann den Betätigungshebel sowie die große runde Pertinaxscheibe entnehmen, die das Kabel zum Rotor abdeckt. Darunter befinden sich 2 im Durchmesser deutlich kleinere Rundscheiben mit Innenvierkant aus Pertinax, und darunter schließlich 3 Viereckscheiben aus Pertinax, ebenfalls mit Innenvierkant. Jetzt sieht man das Spiel zwischen Achse und Rotorhalterung.
Ich habe mir so geholfen, dass ich an den 4 Kanten  der Achse jeweils einen sehr dünnen kurzen (Kupfer-) Draht senkrecht eindrückte und das überstehende Ende dieser Drähte schließlich jeweils entlang einer Langseite des Vierkants mittels einer Messerschneide zwischen Achse und Pertinaxrotorhalterung 'quälte'. Nichts für Grobmotoriker. Danach wurde das Ganze mit Zweikomponentenkelber verklebt, den ich nach vorsichtigem Auftrag etwas mit dem Lötkolben beheizte; so drang er besser ein.
Und nun alles in umgekehrter Reihenfolge zurückbauen, dabei auch gleich das Rotorkabel vorsorglich erneuern.


Da der Rückkopplungsdrehko schon instandgesetzt war (s.o., nur neues Rotorkabel vonnöten), waren die Anbauteile nun fertig:

   

   

(Die Skalenzeigerscheibe sitzt hier noch auf dem Sprühdosendeckel, nur zum Zeigen der Hilfskonstruktion).
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Gruß
klaus

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#16
Die Chassislackierung ist nun zu 99 % fertig, mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden.
Minimale Nacharbeiten sind noch erforderlich, z.B. dort, wo sich trotz Abklebens ein minimaler Farbauftrag niederschlug, bzw. sich ein Staubkorn mit dem Lackauftrag niedersetzte.
Die Kamera wurde mit Blitz betätigt, überhöht also Unreinheiten bzw. kleinere Rostnarben.


   

   

   


Bei der Lackierungsvorbereitung stellte ich fest, dass auch im Werk nicht sehr genau gearbeitet wurde. Zum einen fand sich unterhalb des Typenschilds eine doppelte Lacknase, die nach oben unter dieses Schild reichte, sowie neben der Antennenbuchse eine weitere Nase,
zum anderen wurde auch an der Chassisrückwand in einer Weise geschweißt, die noch Berufserfahrung erfordert (dort wo einer der Bodenwinkel für die Chassisverschraubung innen an die Rückwand des Chassis geschweißt wurde, die Schweißnaht aber nach außen durchschlägt).

Ich habe bislang darauf verzichtet, das Spulenaggregat auszubauen, was das Aufbiegen der 4 massiven Blechnasen bedeutet hätte. Eine Kontaktreinigung des Wellenschalters erfolgte bislang in eingebautem Zustand; auch wurde z.B. der KW-Bereich des Radios noch nicht getestet. Sollte also dennoch zu Reparaturzwecken der Ausbau vonnöten sein, so wird man mittels Glasfaserpinsel den Bereich um diese Blechnasen noch besser reinigen und leicht nachlackieren können.
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Gruß
klaus

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#17
Zwischenzeitlich ging es am Radio weiter.


Gehäuse

Der massive Dreck wurde abgewaschen (lauwarmes Wasser und Handseife). Die beiden waagerechten Zierlinien an der Front wurden mit Farbe (Modellbaubereich, bzw. normaler Streichlack auf Kunstharzbasis) neu gezogen, ebenso wurden die Zierringe der vorderen Knöpfe gezogen und der seitliche Drehschalterknopf mit 4 farbigen Markierungsstrichen gemäß den Farben der Skalenwellenbereiche versehen.
Die Farbe Weiß habe ich dabei mittels Untermischung von ganz wenig Gelb etwas weniger leuchtend gestaltet, es wirkt bei Tageslicht gewollt geringfügig vergilbt (der Blitz bildet dies nachfolgend nicht ab).

   
Mehr Fotos folgen später, auf der Werkbank herrscht derzeit Chaos.

Zugleich wurde ein kleiner Haarriss ausgemacht, rechts unten am Skalenausschnitt, der mir bislang entgangen war. Die Retuschierung gerät zeitaufwendiger, als gedacht.
 

Chassis

Die Lackierarbeiten am Chassis sind abgeschlossen, das Chassis ist wieder komplett, bis auf die Skala. Es funktioniert einwandfrei, zumindest auf MW. Auf KW und LW habe ich mit der kurzen Werkstattantenne noch nichts hereinholen können; Näheres siehe unten unter der Überschrift "Wellenschalter & Spulen".

Nachzutragen bleibt die Behandlung des Trafos. Die Seiten des Blechpakets habe ich nicht, wie angedacht, mit Ofenschwarz behandelt. Stattdessen wurde Hammerite Rostschutzfarbe in Schwarz verdünnt aufgetragen. Ist gut geworden, da es nicht so 'zugetüncht' wirkt.


Herstellungsdatum des Radios

Dies konnte noch genauer eingegrenzt werden, da sich auf dem Pertinax des Spulenaggregats eine Bleistiftmarkierung schwach erhalten hat: 9. Januar 1950. Das war übrigens ein Montag.


Wellenschalter und Spulen

Die gesamte Baueinheit sitzt noch original im Chassis, d.h. die 4 Blechlaschen wurden nicht geöffnet. Die Kontakte liegen nach oben, direkt unter dem Chassis. Sie bargen nur trockenen Schmutz und ließen sich mittels Wattestäbchen reinigen.
Die Spulen habe ich durchgemessen und keine Unterbrechung feststellen können.

Allerdings machte sich mittlerweile sehr nachteilig bemerkbar, dass das vorhandene Schaltbild eigentlich zur Type 89WKE passt und nur sehr bedingt für den 89 WKN brauchbar ist. Eher so gut wie gar nicht.
Dieses Schaltbild findet man allenthalben im Netz, egal auf welcher Seite man schaut. Es scheint so, als hätten alle dies von irgendwo her abgekupfert. Es findet sich in genau dieser Form z.B. bei Lange / Nowisch (Ausgabe 1954); eine ältere Quelle fand ich nicht. Wie oben angedroht habe ich mir während meiner Arbeit Bleistift-Notizen in diesem Schaltbild gemacht. Das Ergebnis möchte ich nicht vorenthalten, betone aber, dass man gerade bei den Spulen und Wellenschaltern schnell 'betriebsblind' wird.


.pdf   Schaltbild wkn modif.pdf (Größe: 279,22 KB / Downloads: 24)

Etwas sonderbar, dass bei KW alle Eingangsspulen gegen Masse gelegt werden (Schalter 1, nur bei TA und KW geschlossen). Das erscheint mir nicht plausibel, ist aber so verlötet. Ich besitze noch ein weiteres Spulenaggregat eines WKN, das werde ich am Wochenende mal herauskramen und vergleichen. Nicht, dass da schon im Werk etwas vermurkst wurde, denn neuere Lötstellen erkennt man an den Kontakten keine.
_____________
Gruß
klaus

"Nutze das Fachwissen von Experten, aber bedenke stets: Die Technikgeschichte ist voll von Experten und Ihren Irrtümern."

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#18
Hallo, Klaus,
das Radio ist schön geworden. Allerdings konnte ich keinen Fehler bei der Verdrahtung der KW-Spule auf deinen Plan finden. Oder Du meinst der Schalter, den du mit 1 nummeriert hast? Das kann natürlich nicht sein.
Gruß,
Ivan
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#19
Hallo Klaus,

ein wunderbarer Reparaturbericht
und ich habe wieder etwas dazu gelernt...

Die Spulenschaltung ist doch plausibel, man hat die Spulen hintereinander geschaltet:
3 Spulen-Teile = hohe Induktivität = LW, 2 Teile = MW und ein kleiner Teil = KW.

Viele Grüße,
Rolf
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#20
Hallo Ivan,

ja, den Schalter mit der von mir gewählten Bezeichnung "1" meinte ich. Das prüfe ich noch anhand des hoffentlich noch in meinen Beständen auffindbaren gleichen Spulenaggregats.


Hallo Rolf,

der Bericht wird noch fortgesetzt. Heute war erstmal Gehäusepolitur angesagt (Autolackreiniger SONAX). Man ist entsetzt, was sich da noch an Nikotinrückständen löst.
Außerdem ist mir erinnerlich, dass ich eine solche EMUD-Skala, wie das Gerät sie trägt, mal in einem Fachbuch fand (die eigentliche Skala ist ja nur ein bedruckter Papierbogen, und der lag zwischen den Buchseiten).
Mal sehen, wo ich diese Skala hingelegt habe, und vor allem, welche Version dies ist. Rm.org listet eine interessante Skala mit Hinweis auf den ab März 1950 gültigen neuen Wellenplan, aber das wäre wohl zuviel des Zufalls, sowas zu finden.
_____________
Gruß
klaus

"Nutze das Fachwissen von Experten, aber bedenke stets: Die Technikgeschichte ist voll von Experten und Ihren Irrtümern."

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