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Klein, kleiner, Picolina
#1
Hallo,
vor einigen Wochen erstand ich, in dem "Möbelhaus mit dem Elch", ein Bambus-Kästchen mit den Außenmaßen 15cm x 10cm x 8cm, dies war wie geschaffen zum Bau eines Mini-Röhrenradios,
natürlich kleiner als der Jotha Liliput, aber die Schaltung sollte ihm ähneln.
Als Schaltungsvorlage diente der “RIM Einkreisempfänger 1957“, mit einer ECL82.
Da aber in dem Minigehäuse weder Platz für einen Heiztrafo und erst recht nicht für einen Netztrafo war, mussten einige Änderungen gemacht werden:
Anodenspannungserzeugung per Einweggleichrichtung und ohne Netztrennung, Heizkreis mit Kondensator als kapazitiven Vorwiderstand.
Zweckmäßigerweise nimmt man da eine U-Röhre, so wurde aus der ECL82 eine UCL82.
Mit einem 18V/0,1A Lämpchen in Reihe ergeben sich so 68V Heizspannung, diese erfordert an einem 230V Netz, einen Heizkreiskondensator von 1,44µF.
Für den Schwingkreis benutze ich einen kleinen Spulenkörper mit drei Kreuzwickelspulen und einen Hochwertigen Luftdrehko aus DDR-Produktion.
Ein weiteres Problem stellte der Rückkopplungs-Kondensator dar, für diesen war kein Platz im Gehäuse, zumal ich auch keinen mit Netzschalter besaß. Also eine alternative Lösung, mit einem Poti parallel zur Rückkopplungsspule.
Das gebohrte Gehäuse lackierte ich schwarz und versah es mit einem weißen Frontgitter, das ich aus einer Tischauflage schnitt.
Einen kleinen Lautsprecher hatte ich noch in meiner Bastelkiste und ein passender Ausgangsübertrager (aus einer Philetta) war auch schnell gefunden. Diese klebte ich mit Heißkleber ins Gehäuse.
Das Chassis generierte ich aus einer beidseitig kupferbeschichteten FR4 Leiterplatte, die ich an der linken und rechten Seite auf einen Buchenstab schraubte.
Außer Lautsprecher und AÜ sollten sich alle Bauteile auf diesem Chassis befinden, so war eine gewisse Servicefreundlichkeit gegeben.
Diese war auch nötig, da sich die UCL82 bei eingeschobenem Chassis nicht wechseln ließ.
Hier die etwas abgeänderte RIM-Schaltung:
(auf die regelbare Höhenanhebung hatte ich verzichtet)

   

Hier meine ersten "Zutaten":
   
Die Schaltung war recht schnell aufgebaut:
   
Dann kam die erste Inbetriebnahme:
Zunächst passte ich die Heizkreiskondensatoren an, bis ein Strom von etwa 0,1A floss.
Die Röhre schien zu arbeiten, da nach kurzer Zeit ein recht lautes Brummen aus dem Lautsprecher zu vernehmen war.
Über die Anodenspannung konnte dieser nicht kommen, da ich das Gerät probeweise auch über ein externes Netzteil speiste, aber der Brumm blieb.
Nach einigem Suchen stellte ich fest, dass er über Audion-Kombination erzeugt wurde.
Nachdem ich Kondensator und Widerstand, in ein metallisiertes und an Masse gelegtes Röhrchen verschwinden ließ, war der Brumm fast ganz verschwunden.
Den Empfangstest nahm ich in den Abendstunden, an einer mittelmäßigen Außenantenne vor, schnell waren einige Mittelwellen-Sender klar und deutlich zu empfangen,
die Rückkopplung funktionierte, setzte jedoch relativ hart ein.
Aber nach einiger Zeit zeigte sich ein anders Problem, die Röhre erzeugte ein recht hohe Hitze im Gehäuse und dies ohne montierter Rückwand.
Da musste Abhilfe her, eine andere, kleinere Röhre. Da ich aber weder Fassung noch Schaltung großartig ändern wollte, war die Auswahl einfach, es gibt nur eine Röhre, die in Frage kommt –
die UCL83.
Diese Röhre kommt mit weniger Heizleistung zurecht und hat nur, in etwa, die halbe Bauhöhe der UCL82.
   
In meinem Fundus war natürlich keine vorhanden, aber ich hatte Glück und konnte einen Dreiersatz, dieser doch recht seltenen Röhre, günstig in der "Bucht" erwerben.
Die Schaltung incl. des Heizkreises war schnell geändert, hier der neue Schaltplan:
   
Der Röhrentausch war ein voller Erfolg:
Jetzt wurde wesentlich weniger Wärme produziert und der Empfänger war sogar empfindlicher geworden. In den Abendstunden waren so, auf Mittelwelle, über 20 Stationen zu empfangen.
Nur die Rückkopplung setzte noch immer recht hart ein, ich werde mal Poties mit anderen Werten ausprobieren.
Der abgeänderte Aufbau:
   
   
Die Rückwand konstruierte ich am PC und klebte den Ausdruck auf 3mm starke Pappe, die Löcher in der Rückwand stanzte ich mit einer Lochpfeife aus.
Ein Name für den Winzling war auch schnell gefunden: PICOLINA

Das Gerät in Betrieb:
   
Jetzt mit Rückwand:
   
Hier von vorn:
   
Hier Picolina und Liliput im direkten Vergleich:
   
   
Viele Grüße,
Rolf
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#2
Ganz toll gemacht !

Gruß
k.
_____________
Gruß
klaus

"Nutze das Fachwissen von Experten, aber bedenke stets: Die Technikgeschichte ist voll von Experten und Ihren Irrtümern."

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#3
Hallo Rolf
Gratulation, das ist großartig gelungen. Ich schätze solche Selbstlaborate. Für weitere Projekte empfehle ich russ. Miniatur Röhren, sie benötigen noch weniger Raum. Gruß Franz
eh isch misch uffreg isch mirs lieber egal
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#4
Ja sehr künftig Smile
Jetzt müssen nur noch die Sendeanstalten nachziehen und wieder AM ausstrahlen.
Gruß,
Uli
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#5
Hallo,
das war ja der Reiz an der Sache,
eine Standard-Röhre zu benutzen...
Gruß
Rolf
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#6
Hi Rolf,
klasse gemacht, da wird ja mein "MAMMUT" richtig neidisch! Thumbs_up
Viele Grüße aus Loccum, Wolfgang

Wer niemals fragt, bekommt nicht einmal ein Nein zur Antwort.

In Memorandum 2018
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#7
Hallo Rolf,

was ein Schnuckelchen, hehe! Solche pfiffigen Selbstbauten finden auch immer mein Gefallen, sieht man doch wieder einmal, mit wieviel Herzblut der Erbauer es hat entstehen lassen - Chapeau!Rose
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#8
Perfekt, meinen Glückwunsch!

Von pfiffige Selbstkonstuktionen bin ich immer ein Freund, obgleich dies meine Fähigkeiten wohl übersteigen würde...


Lieben Gruß,
Markus
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#9
Hallo,
ich freue mich, dass euch die kleine Picolina gefällt....
Gruß
Rolf
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#10
bella Picolina !

Gefällt mir gut.

Gruß
Wilhelm
Niemandes Herr, Niemandes Knecht,
so ist es gut, so ist es recht

von Fallersleben
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