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Restauration Telefunken D860WK
#1
Hallo,

So, nun ist es soweit, die Restauration des D860WK beginnt nun ernsthaft.
Zuerst aber mal die technischen Daten des Gerätes:

Hersteller: Telefunken
Typ: Rundfunkempfänger
Modell:Spitzen-Super D860WK
Baujahr: 1939
Röhrenbestückung: EF13 ECH11 EBF11 EF11 EM11 EL12 AZ12
Stromversorgung: 110, 125, 150, 220, 240 Volt Wechselstrom
Wellenbereiche: Kurzwelle, Mittelwelle, Langwelle
Bedienelemente: Lautstärke, Senderwahl, Kanalschalter, kombinierter Klangregler/Bandbreitenregler
Gehäuse: Holz
Besonderheiten: HF-Vorstufe, Sendereinstellung schnell/fein (Übersetzung etwa 1:4.5), Festsenderprogrammierung mittels Drucktasten, Sprache-Musik Schalter, HF-Vorstufe, Lautsprecher schaltbar (innen-aussen-beide), Skalenbeleuchtung und magisches Auge abschaltbar
Anschlussmöglichkeiten Rückseite: Antenne, Erde, Tonabnehmer, Zweitlautsprecher (hochohmig)
Abmessungen: 700 x 450 x 370 mm
Gewicht: 27 kg
Lautsprecher: elektrodynamischer Lautsprecher 30 cm
Neupreis: 500.00 RM

Noch kurz zur Geschichte wie ich zu dem Radio gekommen bin:
Ein Bekannter aus Berlin musste vor etwa einem Jahr seine Werkstatt räumen, in der er als selbständiger Taxiunternehmer zu DDR-Zeiten seine Wolga-Taxis repariert hatte. Da die Motoren recht baugleich mit denen meiner Geländewagen sind, habe ich mir dort einige gebrauchte Sachen abgeholt.
Draußen vor der Garage stand er nun, lieblos abgestellt und wartete auf den Sperrmüllcontainer.
So in etwa waren meine ersten Anblicke:
   

   

Weder mein Bekannter noch ich wussten damals, was das für ein Gerät war.
(Er gar keine Ahnung von sowas und ich nur wenig, hatte ich doch erst vor kurzem und nach jahrzehntelanger Pause wieder mit dem Radiobasteln angefangen und erst einen Sachsenwerk Olympia 551 WU bissel repariert.)
Anfangs wollte ich es nicht mitnehmen, Kanalwähler an der Seite und diese riesigen Röhren waren so gar nicht nach meinem Geschmack und Radios sammeln wollte ich eigentlich auch nicht.
Naja, so schnell ändert sich das und der Telefunken wurde eingeladen...Smiley26

Ehrlicherweise möchte ich noch sagen das einiges schon passiert ist, mittlerweile sind schon alle Fehl- und Schrottteile besorgt, doch dazu ausführlich später mehr.
Aber trotzdem möchte ich der Reihe nach berichten, also erstmal die Bestandsaufname:

Das Gerät stand schon Jahrelang ungenutzt in der Garage, genau in der Position, wie es draußen stand. Demzufolge war die rechte Seitenwand als mittlerer Totalschaden zu bezeichnen:
   

   

Der Lack des gesamten Radios ist hoffnungslos hinüber, überall gibt es angestossene Stellen, Furnierabblätterungen und nicht mehr vorhanden Lack. Auf dieser Detailaufnahme sieht er noch am besten aus:
   

Ein Tastenknopf fehlt, der untere Skalenstreifen ist in der Mitte gebrochen, der darüberliegende an den Enden. Das wurde irgendwie mit Kupferblechstreifen geflickt.
Letztendlich sieht das Gerät direkt von vorn noch am besten aus.Wink:
   

Der Netztransformator hat wohl durch ständige Erwärmung/Abkühlung Feuchtigkeit gezogen und seine Bleche sind heftig aufgerostet.
Der Ausgangstrafo dahinter sieht wie neu aus:
   


Nun aber zu einigen erfreulicheren Dingen:
Das Radio ist bis auf wenige Fehlteile komplett, sogar der originale Lautsprecher ist noch drin. Die Rückwand ist auch noch da, allerdings ein wenig krumm und mit Feuchtigkeitsflecken.
Das Chassis hat nur wenig Flugrost, alle Röhren sind vorhanden. Der großer Blockkondensator sieht gut aus, der kleine Blockkondensator ist leicht ausgelaufen. In der Tonabnehmerbuchse steckt noch ein Adapter auf 5-polig DIN.
   

Auch von unten sieht alles noch sehr manierlich und unverbastelt aus.
Es wurden noch keine Teile gewechselt. Einige übliche Teerkondensatoren sind ausgelaufen, andere komplett aus Kunstoff gegossene sind gerissen:
   

Am Chassis muss auch schon irgendwann mal gewerkelt worden sein, ich vermute wegen eines defekten Skalenseiles, erkennbar auch an den Zettelchen am Lautsprecher. Ganz ausgebaut war es aber wohl nicht, die vielen Kabel zur Schallwand waren noch nicht abgelötet. Alle Lötstellen waren noch mit Lackpunkten versehen.

So, das nun erstmal als grober Überblick, ich bitte die schlechten Fotos zu entschuldigen, sie wurden noch bei mir auf Arbeit mit dem Handy gemacht.
Bei den nächsten Restaurierungsschritten mache ich bessere und detailreichere Bilder.
Ich möchte bei der Restauration optisch alles so original wie möglich belassen, also kommt nur ein Neubefüllen der alten Bauteile in Frage.
Zuerst werde ich wohl die Siebelkos erneueren, dann die wichtigen Koppelkondensatoren. Dann erstmal vorsichtig mit Stelltrafo hochfahren um zu schauen was die NF macht und zum Schluss die HF. Auf jeden Fall wird es viel Arbeit und so einige (viele) Fragen werde ich wohl auch noch haben...Smile


Viele Grüße,

Axel
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#2
Tolles Gerät und du hast dir aber da was angefangen....viel Glück und Beharrlichkeit wirst du brauchen Axel.
mit freundlichen grüßen aus Dielfen (Siegerland)
Dietmar
Wenn einer dem anderen hilft ohne daraus Profit schlagen zu wollen dann sind wir auf einem guten Weg
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#3
Na wenigstens ist DAS ein Radio, wo sich der nicht unerhebliche Restaurationsaufwand wenigstens lohnt - die gibt's nicht an JEDER Ecke...
Ich drück Dir die Daumen, daß das wieder ein schönes Gerät wird!
Was muss man beachten, wenn ein Radio so lange feucht gestanden hat? Speziell bezüglich Restfeuchtigkeit in Trafos und Feldspule? LS wird wohl vor dem ersten Einschalten ohnehin zerlegt um den Luftspalt zu kontrollieren/reinigen/entrosten. Was sonst noch? Was kann da feuchtigkeitsbedingt kaputt gehen?
Gruß,
Uli
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#4
Furnier und Kondensatoren sind die ersten und wichtigsten Opfer von permanenter Feuchtigkeit. Selbst rostige Trafos müssen nicht zwangsläufig beschädigt sein. Ich hatte schon so viele Geräte auf dem Tisch, die in feuchten Kellern oder Garagen gelagert wurden und bei welchen das Chassis völlig verrostet war. Den Röhren macht es nix, außer der Anodendraht abgerostet sein könnte, falls sie denn eine obenliegende Anode haben. Wellenschalter sind meist so gut gefettet, dass da kaum Rost auftritt und der Rest verkraftet die Tortur meist ganz gut.

Das Chassis bei diesem schönen Telefunken sieht aber noch prächtig aus. Das wird schon wieder! Selbst wenn zwei Skalenscheiben beschädigt sind: Oft sind alle Scheiben hin und fehlen. Da ist das hier schon ein Glücksfall.
~~~Es gibt nichts Gutes, außer man tut es (Erich Kästner)~~~
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#5
Oh, schönes Gerät, glaube, Schwester- oder Vorgänger-Gerät von meinem D770WKK, den ich vor kurzem gemacht habe. Das Chassis ist sehr gutmütig und einfach zu machen, wenngleich sich ein paar schlecht zugängliche Kondensatoren verstecken. Auch mein Trafo ist schon etwas angerostet, funktioniert aber sehr gut, ohne warm zu werden. Ich habe gelernt, Trafos sind ein Thema für sich und jeder verhält sich anders. Ich glaube aber hier, die Optik sollte Dich erstmal nicht abhalten.
Meiner Erfahrung mit meinem 770 nach wird Dich hier wohl eher die Herausforderung im Gehäuse erwarten, die Technik ist eher harmlos. Hier zu beachten gelten aber wieder die Schwingkreiskondensatoren in den Bechern, die gewechselt werden müssen.

Viel Erfolg und viel Spaß, schönes Gerät, welches ich garantiert auch wieder retten würde.
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#6
Halllo,

Ja Dietmar, da habe ich mir schön was eingebrockt. Zumal mir meine Arbeit nur im Winter Zeit für größere Projekte lässt. Mal was kleines zwischendurch geht immer, aber die anderen Hobbys fordern auch ihren Tribut...Undecided

Anton und Philipp: Erstmal vielen Dank für die Aufmunterungen.

Uli, ich glaube nicht, das das Radio lange richtig doll feucht gestanden hat. In der Garage war es recht trocken, es war auch viel Zeug drin, da stellt sich immer ein "mittleres Klima" ein... Nur, Beton fördert ja wohl auch irgendwie bissel Feuchtigkeit hoch und da hat der Schaden an der linken Seite über die Jahre wohl den Anfang genommen. Draußen dann stand es nicht lange, Regen war nicht in der Zeit, also auch nur wieder aufsteigende Feuchtigkeit aus dem Boden. Die hat dann allerdings für den Rest gesorgt.
Ich denke der Netztrafo hat den Rost durch ständige Erwärmung/Abkühlung im normalen Betrieb aus der normalen, oder leicht erhöhten Luftfeuchtigkeit gezogen. Dafür spricht wohl auch der Ausgangstrafo, der direkt daneben wie neu aus sieht. Andere Feuchtigkeitsschäden sind ja kaum vorhanden, die Kontakte der Röhrenfassungen sehen Super aus, selbst die feinen Drähtchen der Spulen des Festsender-Tastenaggregates sind alle ok.
   

Kaum Flugrost am Chassis, etwas mehr an der Welle des Lautstärkenreglers, aber das war's dann schon fast. Die Beschichtungen der Keramiktrimmer sind nicht mehr so toll, aber das gibt es ja woanders auch. Da ist natürlich auch Handlungsbedarf.
   

So, nun aber erstmal weiter mit dem Lautsprechertest.
Das ist ja nun auch so eine Sache für sich, der ist ja sehr begehrt und teuer, also Goldstaub. Währe er kaputt, ist kaum originaler Ersatz zu bekommen.
Wie Uli schon schrieb, hätte er eigentlich zerlegt und kontrolliert werden müssen. Leider war ich damals noch nicht so weit an sowas zu denken, also habe ich erstmal die Membran vorsichtig bewegt und keinerlei Kratzgeräusche festgestellt. Ein gutes Zeichen.
Wie testet man nun das Dingen, ohne das Radio in Betrieb zu nehmen?
Erstmal die Schwingspule durchgemessen: 12 Ohm, dann die Feldspule: 700 Ohm. Toll, keine Unterbrechungen.
Dann 9-Volt Blocks von meinen Batterieröhrenbasteleien drangehängt. Immer schön einen nach dem anderen und immer den Strom kontrolliert.
Bei ca. 65 Volt stellten sich dann um die 80 mA durch die Feldspule ein, das entspricht etwa dem normalen Wert aus dem Schaltplan. 110 mA sind laut Aufdruck auf der Feldspule im Impulsbetrieb erlaubt.
Ergebnis: Sauberer Klang ohne kratzende Geräusche. Übrigens klingt der Lautsprecher wesentlich besser als die beiden des SKR 550. Smile
   

   

Der Lautsprecher ist erstmal sicher in einem Schrank eingelagert, unser Kater ist ja immer sehr interessiert...


Viele Grüße,

Axel
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#7
Na, das wird schon. Vielleicht findet sich bei Dir in der Nähe ein Schreiner, der Dir beim Gehäuse etwas zur Hand geht. Die Jungs haben meist einen guten Tip parat.

Wenn ich das Bild der Trimmer so sehe, dann machen mir die beiden Hodges-Kondensatoren darunter ehrlich gesagt erstmal mehr Sorgen. Die in meinem 770 waren zwar noch gut im Wert, aber denen ist definitiv nicht zu trauen, besonders wenn sie sich in den Schwingkreisen gesellen.

Wichtig ist, daß alles komplett ist, der LS geht, die Trafos Durchgang haben und die Skalen sind ja sowieso ein Traum. Vorsicht, meine ist absolut nicht wischfest.
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#8
Hallo Freunde,

ja, Axel, das Radio ist mir ja bestens bekannt. Ich freue mich auf weitere Berichte von Dir zu dem Radio. Mir ist ja davon schon mehr bekannt, als das, was Du den Interessierten so portionsweise mitteilst. Aaaber.... wird nicht verraten.

Schön ist auf alle Fälle, dass der große Lautsprecher in Ordnung ist.
Die besagten Kondensatoren, auf die Philipp hin weist, würde ich eher ohne mir den Kopf zerbrechen ersetzen. Das sind auch die besagten Kondensatoren in den ZF-Kreisen. Styroflex eignet sich gut. Da die Werte recht krumm sind, muß man evtl. Kondensatoren zusammen (parallel) schalten.
Es grüßt Euch aus Peine
     
     Andreas
Nicht nur die Röhren sollen glühen.
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#9
Hallo Andreas,

Ja, deshalb schrieb ich ja im ersten Beitrag:
(23.10.2015, 17:11)Axel schrieb: Ehrlicherweise möchte ich noch sagen das einiges schon passiert ist, mittlerweile sind schon alle Fehl- und Schrottteile besorgt, doch dazu ausführlich später mehr.
Aber trotzdem möchte ich der Reihe nach berichten...

Ich weiß, ist bissel doof, aber ich dachte ansonsten wird das alles ein heilloses Durcheinander.
Ist ja auch für Leser außerhalb des Forums einfacher, wenn's eins nach dem anderen geht.

Es kommt auch nur noch ein Bericht von schon erledigten Sachen, dann gehts mit aktuellen Aktionen los.Smiley58
Ich hoffe den Bericht am Wochenende fertig zu kriegen, es ist zwar langsam ruhiger in der Landwirtschaft, aber ich habe trotzdem nicht immer Zeit für das Radio und zum Schreiben. Lesen mit dem iPad und Gedanken machen klappt aber ganz gut bei der Arbeit auf dem Feld, die Maschinen machen ja fast alles allein...Wink

Für die bisherigen Beiträge bedanke ich mich auf jeden Fall schon mal recht herzlich und bitte die stückweise Präsentation zu entschuldigen.


Viele Grüße,

Axel
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#10
Ja, Axel, das machst Du doch gut so. Ich schreibe meist immer meine Romane. Mal sehen, vielleicht mache ich das in Zukunft auch so.
Es grüßt Euch aus Peine
     
     Andreas
Nicht nur die Röhren sollen glühen.
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#11
Hallo,

So, nun der letzte Beitrag aus der "Vergangenheit". Wink

Mittlerweile konnte ich für einen sehr humanen Betrag ein Schlachtgehäuse in einem für mich absolut wohnzimmertauglichen Zustand erwerben. Es ist natürlich nicht pefekt, hat auch einige kleine Stoßstellen im Furnier und wurde oben schon mal nachlackiert, aber ein himmelweiter Unterschied zu meinem Gehäuse:
   

   

Im Kaufpreis enthalten war auch noch ein NF-seitig recht verbasteltes Chassis mit fehlendem Netz- und Ausgangstransformator. Aber die beiden Trafos habe ich ja auf meinem Chassis.
Auch alle Tasten und Drehknöpfe waren noch dran:
   

   

Der Verkäufer erzählte mir bei der Übergabe, das er 4 Jahre vergeblich versucht hat den Ausgangs- und Netztransformator zu beschaffen, vom Lautsprecher ganz zu schweigen...
Da er auch altersbedingt seine Sammlung verkleinern wollte, hat er sich dann letztendlich von den Sachen getrennt.


Auch die fehlenden Skalenscheiben konnte ich in der Zwischenzeit erwerben.
Hier mal einige Fotos vom vorläufigen Einbau, zwei Scheiben müssen noch endgereinigt werden, das ist recht mühseelig...:
   

   

   


Ein riiiiiiiiesiges Dankeschön geht hiermit an unseren Andreas (Andreas_P).
Er hat unermüdlich die Augen offen gehalten und mir uneignnützig zu Kontakten verholfen, die ich nicht habe. Z.B. zum Radiomuseum.org, oder GFGF.
Dort ist er auf Anzeigen der Verkäufer aufmerksam geworden und hat die ersten Kontakte aufgenommen, so das ich mich mit den Verkäufern einigen und die Teile erwerben konnte.

Zu den Kosten für Gehäuse/Skalenstreifen gesellten sich allerdings noch Benzinkosten für etwa 2000 Kilometer Fahrt. Durch Verbindung mit einem Verwandtenbesuch, liess sich die reine Fahrstrecke für die Teile auf 900 Kilometer reduzieren.
Aber bei einem so großen Gehäuse und empfindlichen Skalenstreifen schien es mir geraten, keinerlei Experimente mit den Fähigkeiten der Post zu veranstalten.Wink


Viele Grüße,

Axel
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#12
Hallo,

So nun geht es endlich los mit den aktuellen Arbeiten! Smiley58

Begonnen habe ich letzte Woche mal mit dem Skalen- und Drehkondensatorantrieb.
Dort hat bei meinem Gerät schon mal jemand dran gebastelt.
Die Gründe sind natürlich unbekannt, evtl. ist dort mal was kaputt gegangen, oder beim Ausbau des Chassis ist das Skalenseil zerissen.
Beim D860WK, seinem Schwestergerät 898WK ohne Stationstasten und wohl auch beim D770WKK (vielleicht weiß Philipp ja, ob es genau so ist?) muss vor Ausbau des Chassis unbedingt der Skalenzeiger gelöst werden, sonst reißt das Skalenseil beim Ausbau. Und dann hat man den Salat...
Schon dieses Lösen des Zeigers vom Skalenseil gestaltet sich abenteuerlich, aber es kommnt noch besser.
Hier mal ein paar Bilder des verbastelten Skalenantiebs:
   

Normalerweise bewegt beim D860WK nur der komisch geformte Hebel hinter dem Seilrad die Drehkowelle. Auf der Welle sitzen im Original zwei gleiche Seilräder und auf dem Hebel zwei kleine Umlenkrollen. Ein Seilrad war bei mir aber nur noch vorhanden und es ist eine Bohrung angebracht, um es mit dem Hebel zu verbinden. Die Umlenkrollen auf dem Hebel fehlten ganz. Das Skalenseil bestand aus Angelsehne.
Somit stimmte der Laufweg des Seiles nicht mehr und dann kommt sowas dabei heraus:
   

Das kann so natürlich nicht bleiben. Also dachte ich mir 'nimmste halt den kompletten Antrieb vom Schlachtchassis'. Dort sind der komplette Hebel und beide Seilräder vorhanden und alles funktioniert:
   

Nachdem die Seile mit Stücken von Wattetupfern und Isolierband gegen herunterspringen gesichert waren, wurde alles auf mein Chassis übertragen:
   

Das Skalenseil vom D860WK besteht aus zwei Teilen. Einmal aus einem Stahlseil und einmal aus einem Kunststoffseil. Das Kunststoffseil ist für die Kraftübertragung durch zweifache Umschlingung der Senderwahlwelle zuständig und das Stahlseil für den Rest. Der Grund ist wohl, das der Zeiger mit einer recht kräftigen Klemmschelle auf das Seil geklemmt wird, das würde das Kunststoffseil nicht vertragen.
Leider musste ich feststellen, das die Seilkonstruktion vom Schlachtchassis falsch war. Der Fehler lag auf der anderen Seite des Antriebes an der Umlenkrolle:
   

Um diese Umlenkrolle muss das Stahlseil und nicht das Kunststoffseil laufen, also gehört der Knoten im Kunststoffseil nach unten.
Somit war das Stahlseil zu kurz und das Kunststoffseil zu lang.
Ich hatte mir aber schon vor einem halben Jahr neue Seile besorgt, also wurde alles gleich neu gemacht. So muss es sein:
   

Die Kraftausdrücke, die während des Umbaus meinen Mund verliessen, erspare ich euch lieber. Jedenfalls habe ich jetzt den kompletten Seillaufplan im Kopf...Wink
Die jeweiligen Seillängen müssen auf's genauste stimmen, an den Anschlägen liegen die Verbindungsstellen entweder knapp an der großen Umlenkrolle im oberen Foto, oder an der kleinen Umlenkrolle hier:
   

Während das Umbaus bin ich noch auf einen weiteren Fehler gestoßen, es stimmten der Auf- und der Ablauf des Kunststoffseils auf die Senderwahlwelle nicht. Sie waren zwar auch unten auf der Welle, aber vertauscht (also praktisch falsch herum aufgewickelt) und somit können die Umlenkrollen links und rechts der Senderwahlwelle nicht ordnungsgemäß arbeiten. Sie folgen nämlich auf ihren langen Wellen dem Umschlingungspaket, das auf der dicken Senderwahlwelle beim Drehen beträchtlich nach vorn oder hinten wandert. Und die Länge dieser Wellen ist natürlich wieder genauestens bemessen... Hier ist gegenüber dem Foto oben sehr schön zu sehen, wie beim Drehen der Welle zum anderen Anschlag die Rollen auf den Wellen nach vorn gewandert sind:
   

Nun ist jedenfalls alles originalgetreu wiederhergestellt und funktioniert bestens.
   

Es ist schon sehenswert, das Zusammenspiel der beiden Seilscheiben mit dem Umlenkrollenhebel beim Durchdrehen des Senderwahlknopfes zu beobachten. Schade das das später im normalen Betrieb nicht zu sehen ist...


Viele Grüße,

Axel
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#13
Hallo Axel,

bis jetzt ganz große Klasse. Das Problem bei dem Gerät mit dem Skalenseil kenne ich. Das Gerät besaß ich auch mal. Wie war das Lösen des großen Skalenzeigers? Da ist, glaube ich im Gehäuseboden irgendwo ein Loch, wo der Schraubenzieher durchgesteckt werden muss. Meine ich zumindest.
Es grüßt Euch aus Peine
     
     Andreas
Nicht nur die Röhren sollen glühen.
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#14
Hi Axel,

ja, so ist es auch beim D770WKK, der Skalenzeiger muss zuerst gelöst werden, dann muss auch Vorsicht beim Sprache-Musik-Schalter sein und der, ich glaube, Wellenschalter ist auch noch auszufädeln, bzw. dessen Seilzug zur Anzeige(feder), sowie das MA. Alles in allem also ist die Chassisentnahme schon eine Operation.

Vorteil des ganzen, einen Oszillatorabgleich kann man durch Positionieren des Skalenzeigers beim Einbau entgehen. Smiley34

Der Skalentrieb beim 860 ist aber schon anspruchsvoll, wäre für mich ein Paradies, denn ich mag das Fädeln recht gern. Dagegen ist der vom 770 recht einfach. Da wird das große Drehko-Seilrad direkt angesteuert. Den musste ich aber neu machen, da ich mein Seilrad erstmal entoxidieren musste und die Schnüre auch alles andere als geeignet waren. Ausserdem war bei mir auch der Drehko schon recht schwergängig.
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#15
Ja Andreas,

Es ist nun schon ein Jahr her, das ich das Chassis ausgebaut habe, aber ich meine man kommt durch die große Öffnung unten dort heran.
Das aber nur mit einem gaaanz langen Steckschlüssel mit Kreuzgelenk und einer vorn angeschliffenen Nuss, weil die Mutter sehr flach ist. Da muss der Schlüssel exakt sitzen.
Auch muss der Skalenzeiger in einer ganz bestimmten Position stehen.


Philipp, die Operation ist beim D860WK noch etwas umfangreicher.
Dort leuchten ja immer nur die Skalenstreifen des jeweils eingestellten Wellenbereiches. Auch kann die Skalenbeleuchtung komplett abgeschaltet werden. Der Sprache/Musik-Schalter und der Schalter zum Abschalten der Skalenbeleuchtung/Magisches Auge sind auch an der Schallwand befestigt. Bei Stationstastenbetrieb wird auch noch die Beleuchtung des Skalenzeigers abgeschaltet. Somit kommen von der Schallwand eine "Unmenge" Kabel raus, die untehalb des Chassis in einer zentralen Lötösenleiste enden:
   

   

Es sind alle grün gekennzeichneten Kabel abzulöten (Kennzeichnung ist original)... Und -wen wunderts- es sind dort nicht mal die Kabel des Magischen Auges dabei, die enden oben auf dem Chassis.Smiley26
Mechanische Arbeiten mag ich auch sehr, nur mit Holz und dem Abgleichen kenne ich mich nicht aus... Aber da kriege ich dann ja Hilfe.


Viele Grüße,

Axel
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#16
Nein, so kompliziert ist der D770 lange nicht. Der Skalenzeiger ist recht gut zugänglich, das MA leicht per Flügelschraube zum Lösen.
Soweit ich weiss, ist der 770 einer der letzten großen Modelle im Krieg und schon etwas einfacher als die 8er. Die Materialien waren nur noch für die Rüstung bestimmt und der 770 nur noch für die Großkopferten gedacht, darum ist der 770 seltener, dafür aber auch einfacher. Und wohl auch nicht so spektakulär.
Gefallen mir aber beide sehr gut.
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#17
Nur noch seltener ist der 707er! Ich kenne einen der diesen hat!!

Gruß Chris
Rettet den analogen Rundfunk!! Kauft UKW Radio's!!!
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#18
Hallo,

Es gibt wieder etwas Neues vom Telefunken.
Die Kondensatorkur ist fast beendet und auch am Gehäuse ging es weiter.
Aber der Reihe nach.

Angefangen hatte ich mit den Siebelkos, hier mache ich keinerlei Experimente mit Formatieren o.ä., die bestücke ich immer neu. Entkernt mit der gewohnt vorsichtigen Methode (Alubecher auffeilen, Schraube ins Innere würgen, Becher erwärmen und mit der Zange den Inhalt herauszerren). Wink
Hier die Ausbeute:
   

Da der erste Elko nach der Gleichrichtung ein 550/600 Volt Typ ist, habe ich gleich alle Elkos mit diesem Spannungswert ersetzt. Schaden kann es ja nichts. Bestellt habe ich sie bei den Wüstens, solche Spannungswerte sind ja Reichelt und Co nicht zu kriegen.
Hier schon mal vorbereitet zum Einbau:
   

Da ich der Sache mit dem Alu löten nicht so recht traue, habe ich den Minus-Pol der Elkos auch nach aussen geführt. Dazu habe ich einen kleinen Schlitz in den Alubecher gefeilt und den Draht an der originalen Masseleitung mit angelötet:
   

Die Elkos wurden auch nicht wieder zugebörtelt, sondern mit 2-K Kleber mäßig verklebt.
Es ist nur bei näherem Hinsehen zu erkennen und ich finde diese Lösung besser, als die Elkos abzulöten und andere irgendwo zu verstecken:
   

Auch die Blockkondensatoren mussten sich einer Verjüngungskur unterziehen:
   

   

Vorher:.................................................................................................Nachher:

.jpg   mini-mini-tele2 (3).JPG (Größe: 28,53 KB / Downloads: 359)  
.jpg   mini-mini-P1040521.JPG (Größe: 30,84 KB / Downloads: 361)

Auch der doppelte Blockkondensator wurde neu bestückt.
Es ist übrigens ein Heidenspass, die bis zu 25 cm langen Anschlussdrähte wieder an Ort und Stelle zu bringen. Scheinbar wurden die Blockkondensatoren im Werk als erstes montiert und ihre Drähte liegen unter allen anderen Kabeln und Bauteilen:
   

Auch Papierkondensatoren wurden entkernt und neu bestückt. Viele Werte lagen weit ausserhalb.
Bei den komplett schwarzen (etwa rechts im Bild) war das nicht machbar, sie waren schon aufgerissen und lassen sich 'eh nicht neu füllen. Man kann zwar Gießformen dafür herstellen, aber das war mir dann doch zu doll...
   

Also habe ich neue gebaut und mit selbstgemachten Etiketten versehen. Ob sie so bleiben weiß ich noch nicht, die neuen Etiketten sind doch recht auffällig geraten. Mal schauen, vielleicht finde ich nochmal etwas dunkleres Papier. Übrigens, sind die Bauteile auf der NF-Baugruppe punktgeschweißt, na, von solchen Verfahren habe ich auch die Finger gelassen und sie wurden ganz normal angelötet.
   

Auch ob die beiden Hoges Scheibenkondensatoren original bleiben, weiß ich noch nicht, ich habe sie erstmal gemessen, die Werte sind zwar noch gut, aber ob das so bleibt?:
   

Am Gehäuse bin ich auch sehr viel weitergekommen, die Skalenstreifen sind jetzt komplett gereinigt, montiert und die Schallwand ist in das Gehäuse eingebaut:
   

Das Chassis ist mittlerweile auch schon spielbereit und hat an 15 Meter Draht sehr guten Empfang auf allen Wellenbereichen. Und das, obwohl ich HF- und ZF-mäßig nichts gemacht habe. Es sind noch einige Kleinigkeiten zu machen, z.B. kratzender Lautstärkeregler und Reinigungsarbeiten am Chassis.
Der Stecker mit den bunten Kabeln auf dem Ausgangstrafo ist nur provisorisch, er dient dem vorläufigen Anschluss von Lautsprecher und Feldspule:
   


Viele Grüße,

Axel
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#19
Hallo,
da kann man nur sagen:
- tolle, saubere Arbeit!!!
Gruß
Rolf
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#20
Hallo!

Wahnsinn! Und dann noch so schön bebildert. Smile

Ein absolutes Traumradio!
Beste Grüsse

Thorsten


"Das Leben ist nichts weiter als das Proben für eine Vorstellung, die niemals stattfindet."

(Die fabelhafte Welt der Amelie)
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